Emanuel Bergmann – Der Trick

Der TrickGastrezension von Odette

Simsalabim – der große Liebeszauber kann beginnen

 

Emanuel Bergmann

Der Trick

Diogenes, erschienen März 2016, 400 Seiten, HC 22,00 €

 

Simsalabim – der große Liebeszauber kann beginnen… und genau an dieser Stelle ist die Schallplatte defekt. Der 10-jährige Max Cohen war schon skeptisch dem veralteten Medium entgegen getreten. In der Garage ganz hinten verstaubt, fand er den dazu gehörigen Plattenspieler, doch nun fehlt ihm der Zauberspruch, um die Ehe seiner Eltern zu kitten. Auf der Plattenhülle stand in großen, gelben Buchstaben in der Mitte der Scheibe: „Zabbatini: Seine größten Tricks“. Damit beginnt die Suche von Max aus Los Angeles nach dem Großen Zabbatini.

 

In zwei Parallelgeschichten wird in dem Roman Der Trick ein Bogen über drei Generationen Familiengeschichte gespannt, der mit der Geburt von Mosche Goldenhirsch beginnt. Sein Vater ist ein Rabbiner in Prag, der im ersten Weltkrieg an der Front für sein Heimatland kämpft. Während er sich der Gefahr des Krieges aussetzt, geschieht zu Hause ein Wunder. Seine Frau Rifka, mit der er schon lange versucht einen Nachfahren zu zeugen, wird schwanger. Die biblische Geschichte wiederholt sich und Mosche tritt in das Leben. Mit fünfzehn Jahren besucht Mosche den Zirkus und ist von der Magie des Halbmondmannes beeindruckt, in die persische Prinzessin verliebt er sich sofort. Ohne Perspektive zu Hause und die Mutter ist bereits verstorben, beschließt er zu verschwinden und sich dem Zirkus anzuschließen. Eine sehr interessante und wunderbar erzählte Zirkusgeschichte des Großen Zabbatini beginnt.

 

Generationen überspannende Familiengeschichte

Max, der 2007 lebt, verfolgt eine Spur und findet den greisen Zauberer einsam in einem Seniorenheim. Dieser lebt heruntergekommen und würde sich am liebsten das Leben nehmen. Er versucht es auch und wird von Max gerettet. Nun gilt es, diesen zu überzeugen ihm den Zauberspruch zu verraten und die Scheidung seiner Eltern zu verhindern. In der Zwischenzeit erfährt der Leser und Max die Geschichte des Zauberers. Zabbatinis Geschichte vom Zauberlehrling bis hin zum bekannten Magier ist großartig erzählt. Der Autor schreibt in einer wunderschönen klaren Sprache. Die Zeit in Berlin um die dreißiger Jahre herum, hat mich besonders interessiert. Um 1939 hat er es zu einem berühmten Zauber geschafft, der im Berliner Varieté „Wintergarten“ mit seiner persischen Prinzessin, die er auch verzaubert hat, auftritt.

Schon in den ersten Jahren seiner Kariere hat er seine jüdische Abstammung verleugnet und sich als gebürtiger Perser ausgeben. Diesen Tipp gab ihm sein Lehrmeister der Halbmondmann. Doch auch um ihn zieht sich die Schlinge der Judenverfolgung immer enger. Neben der Zauberei versucht er sich erfolgreich als Wahrsager und Profiler. In einer total unpassenden Episode der Romans, lässt der Autor, Hitler zu Mosche kommen, damit er ihm den Ausgang des Krieges vorhersagt. Trotzdem er Hitler duzen darf, wird er enttarnt und 1943 ins KZ geschickt. Verraten wird er vom Halbmondmann. Im Ghetto trifft er noch seinen Vater und kann sich von ihm friedlich verabschieden. Irgendwie merkt man dem Buch leider an, dass es im Original für den amerikanischen Markt geschrieben wurde. Die historischen Fakten um das Naziregime und den zweiten Weltkrieg sind für europäische und deutsche Leser viel zu naiv geschrieben. Auch wenn die Figuren sehr authentisch und großartig wirken.

Auf dem Weg zum KZ zaubert der Große Zabbatini ein kleines Mädchen in die Freiheit und mit diesem Mädchen schließt sich der Bogen der Geschichte. Damit verbindet der Liebeszauber Welten – es war kein Trick, sondern ein Wunder.

 

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Foto: Philipp Rohner/© Diogenes Verlag

Emanuel Bergmann ist mit Der Trick ein gutes Buch der Unterhaltungsliteratur gelungen. Ein wenig hat mich dieses Buch an Astrid Rosenfelds Roman Adams Erbe, zu dem ihr hier auf dem Blog eine Rezension findet, erinnert. Wahrscheinlich weil die Hauptfigur ebenfalls mit Familiennamen Cohen heißt. Auch hier handelt es sich um eine generationenübergreifende Geschichte – Parallelen zeigen sich also auf.

 

 

Emanuel Bergmann, geboren 1972 in Saarbrücken, ging nach dem Abitur nach Los Angeles, um dort Film und Journalismus zu studieren. Er war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Derzeit unterrichtet er Deutsch, übersetzt Bücher und schreibt Artikel für diverse deutsche Medien. ›Der Trick‹ ist sein erster Roman.

Quelle: Diogenes

 

 

Weitere Infos:   www.diogenes.ch/leser/titel/emanuel-bergmann/der-trick-9783257069556.html,   www.diogenes.ch/leser/autoren/b/emanuel-bergmann.html

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   Pressebild_EmanuelBergmann_cFoto-Philipp-Rohner–Diogenes-Verlag_72dpi[1]

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