Christiane Heinicke – Leben auf dem Mars

Leben auf dem MarsGastrezension von Odette

 

Der Traum vom Leben in einer anderen Sphäre

Christiane Heinicke

Leben auf dem Mars

Droemer Knaur, erschienen März 2017, 320 Seiten, HC 16,99 €

 

Beim morgendlichen Duschen versuchte ich, den Duschrekord der Terranauten von dreißig Sekunden einzuhalten. Ja, ich war fast nass, aber erfrischt habe ich mich nicht gefüllt. Diese und viele weitere abenteuerliche Episoden, erlebt die Autorin Christiane Heinicke, in den 365 Tagen in denen sie simuliert, wie es sich anfühlt, mit fünf fremden Freiwilligen zum Mars zu fliegen. Die 1985 in Bitterfeld geborene Autorin studierte Physik in Ilmenau und im schwedischen Uppsala. Als ihr Traum einer Marssimulation in der Arktis zerbrach, kam sie auf Umwegen, in das im Durchmesser nur 11 Meter große, Iglu-artige Habitat auf einer der aktiven Vulkaninsel Hawaiis. Hier ließ sie sich von August 2015 bis August 2016 auf das Leben in dieser außerirdischen WG ein. Im Anschluss ihres Einschlusses schrieb sie dieses Buch in Form eines autobiographischen Protokolls.

Vor diesem Buch las ich den 2017 erschienenen Roman Die Terranauten von T.C. Boyle. In seinem Buch schreibt er über ein ähnliches Experiment, welches vor Jahren in Arizona durchgeführt wurde. Dort lebten vier Frauen und vier Männer, zwei Jahre in der Biossphäre 2. Wie hier im Buch von Christiane Heinicke ist das Kernthema das Zusammenleben auf engstem Raum und wie erträgt man die Charaktere der Anderen, wenn Mission Control, wie auf Hawaii zwei Fahrtstunden mit den Geländewagen entfernt ist. Selbst eine Kommunikation per Internet und Telefon benötigt 20 Minuten. Also erst nach 40 Minuten erhält man eine Antwort.

 

Spannungsgeladen

T.C. Boyle - Die Terranauten_CoverImmer wieder verglich ich Christiane Heinicke mit der Hauptfigur Dawn, aus T.C. Boyles Terranauten. Als Leserin erlebte ich sie als resolute, selbstsichere, dominante und starke Frau, welche rational an die Konflikte herangeht und sich auf die Crew einlässt. Es gibt noch weitere Gemeinsamkeiten, T.C. Boyles Dawn und Christiane sind auch die einzigen Personen, welche einen Partner während der Zeit unter der Crew finden und eine Liebesbeziehung führen. Dawn, wird tatsächlich schwanger. Christiane und ihre Crew spielen Schwangerschaften der weiblichen Crewmitglieder nur in einem Aprilscherz der Bodenstation Mission Control vor. Ebenso ist die Kommunikation mit den Medien ein Problem, da es zu individuellen und nicht abgesprochenen Äußerungen kommt. Selbst im wahren Leben entstehen unter Wissenschaftlern relativ schnell Spannungen, was ich mir beim Lesen des Buches Leben auf dem Mars nicht so vorstellen konnte. Ich dachte, in der Realität und mit dem Wissen, nur zwölf Monate eingeschlossen zu sein, kann man professioneller miteinander agieren. Heinickes Schreibstil ist mir für eine Wissenschaftlerin, an diesen Stellen im Buch zu lästerhaft und hat schon bald „Dschungelcamp-Charakter“.

Etwas schwer lasen sich für mich die Stellen, in denen die Höhlenausflüge in kompletter Astronautenkleidung in die Vulkanfelder um das Habitat beschrieben wurden. Man merkt hier ihre Leidenschaft für Wanderungen, die doch trotz der plastischen Schreibweise der Autorin, sehr ausschweifend und ermüdend beschrieben sind. Dafür spürt man förmlich die Hitze und die scharfen Steine. Nach der wiederholten Höhlenerkundung langweilte es mich immer häufiger, da nichts Neues passierte. Das kann erfahrenen Kletterern anders ergehen und jedes weitere Skylight ist für sie ein neues Erlebnis. Hilfreiche Tipps für das Leben im Outback findet man in dem Buch zu Hauf. Ob es die Wassergewinnung aus Urin, die Reparatur der Biotoilette oder das Formen eines Truthahns aus gefriergetrockneten Zutaten ist, alles wird sehr spannend erklärt.

Somit ist Christiane Heinicke ein tolles Buch gelungen, welches viele Aspekte des Lebens abseits der Erde und auf sich alleingestellt vorstellt. Persönlich drücke ich ihr die Daumen, das sie es schafft, die erste Astronautin auf der ISS zu werden. Schon während ihrer Marsmission auf Hawaii bewarb sie sich für das Projekt „Die Astronautin“. Nachdem bereits elf deutsche männliche Astronauten auf der ISS waren, möchte sie 2020 die erste Frau werden. Ich wünsche ihr noch viele Weltraumerlebnisse mit Rückkehrgarantie.

 

Christiane Heinicke, geboren 1985, hat in Ilmenau und im schwedischen Uppsala Physik studiert. Sie wurde als einzige Deutsche von der NASA für ein Projekt ausgewählt, das ein Jahr lang das Leben auf dem Mars simuliert. Zusammen mit fünf weiteren Wissenschaftlern lebt die promovierte Physikerin in einem Habitat auf einem aktiven Vulkan auf Hawaii, verlassen kann sie die Unterkunft nur im Raumanzug. Über ihr Jahr als Versuchskaninchen schreibt die Deutsche in ihrem Blog.

Quelle: Droemer Knaur

 

Weitere Infos:   www.droemer-knaur.de/buch/9255042/leben-auf-dem-mars,    www.droemer-knaur.de/autoren/9250462/christiane-heinicke,    www.cheinicke.de

Bildquellen:   Jacqueline Böttger – diverse

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