Cao Xueqin – Der Traum der roten Kammer

Der Traum der roten KammerGastrezension von Odette

 

Die chinesischen Buddenbrooks

Cao Xueqin

Der Traum der roten Kammer

 

Der Traum der roten Kammer ist einer von vier klassischen Romanen, welche zu den berühmtesten Erzählungen der chinesischen Literaturgeschichte zählen. Er spielt in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts zu Zeiten der Qing-Dynastie. Für jeden Chinakenner und Kulturreisenden ist dieser Roman eine Pflichtlektüre, ist er doch Familien-, Liebes-, Gesellschafts- und Unterhaltungsroman zu gleich. Ebenso wird man mit ihm in die Welt des Daoismus und des Buddhismus eingeführt. Verknüpft werden menschliche Emotionen wie Liebe, Hass und Leidenschaft mit den gesellschaftlichen Konventionen des Chinas zur Kaiserzeit.

Der Titel Der Traum der roten Kammer klingt sehr poetisch und exotisch. Erklärt zugleich symbolisch mit den drei Wörtern Traum, Rot und Kammer den kompletten Inhalt des Romans. Rot ist in China eine überall dominierende Farbe. Damit konnte der Autor Cao Xueqin zur damaligen Zeit mit der besonderen Aufmerksamkeit seiner Leserschaft rechnen. Die Farbe Rot symbolisiert Glück, Reichtum und einen hohen Posten im Kaiserreich. Das Wort Traum aus der Überschrift sagt dem Leser, dass die Figuren in dem Roman nicht real existent sind. Es gab zwar diese Art der Familiendynastien, doch der Name der Familie Jia bedeutet Traum. Die Hauptfigur des Romans, der Knabe Pao Yü selbst, kann als Wandler zwischen zwei Welten gesehen werden. So verwunschen wie er geboren wird, so geisterhaft ist auch sein Verschwinden. Eine chinesische Kammer ist nicht, wie in unserem Sprachgebrauch verwendet, ein kleiner Raum zum Abstellen von Dingen, sondern beschreibt den oberen Teil eines einstöckigen Wohnhauses. Nur die wenigsten Häuser der damaligen Zeit besaßen ein Obergeschoss. In Peking, dem Ort der Handlung, war kein Haus höher als die Mauern der verbotenen Stadt. In den oberen Stockwerken dieser Häuser lebten die vornehmen Damen der Familie.

Im Mittelpunkt des Romans steht ein edles, bedeutendes Mandaringeschlecht der Stadt Peking. Die Familie wurde bereits für ihre Verdienste geadelt und ist zu Beginn des Romans unendlich reich. Als Erbe dieser Familientradition wird Pao Yü gehandelt. Er wurde mit einem hellen Jadestein – „wertvolle Jade“- im Mund geboren und ist danach benannt. Statt den wirtschaftlichen Interessen liebt er die Kultur und führt ein sorgenfreies, etwas dekadentes Leben. Pao Yü wird als aus der Art geschlagen geschildert, ist sehr intelligent und eigenwillig zugleich. Wichtig für seine spätere Laufbahn am Hof ist das Studium der vier klassischen konfuzianischen Texte. Dieses Studium muss er mit einer Prüfung abschließen, denn nur die Besten werden am Hof des Kaisers als Beamte akzeptiert. Damit hat er eine große Verantwortung seiner Familie gegenüber. Der Adelssohn rebelliert aber lieber gegen seinen Vater, wird von ihm gemaßregelt, gibt kleinlaut nach und tut letztendlich was von ihm verlangt wird.

Im Inneren seines Herzens liebt er Romane statt Konfuzius. Auch gilt die Liebe verstärkt seinen Cousinen sowie anderen Frauen seiner Familie, als der Wirtschaft und männlichen Freizeitbeschäftigungen. Gern hält er sich im Bereich der roten Gemächer auf. Ihm ist eine Heirat mit seiner Cousine Tschai Yü – „dunkle Jade“ – vorher bestimmt. Hier wird es gewollt etwas verworren, viele Frauen mit fantastischen Namen wie Lenzgruss, Lenzgeschmach, Lenzweh, Buntwolke, Herbstwelle und wertvolle Tugend buhlen um die Gunst von Pao Yü. Der Autor stellt sie mit ihren Charakteren und individuellen Zügen sehr lebendig dar. Nicht nur bezüglich der Frauenwelt spitzt sich die Lage im Roman zu, auch werden einige Familienmitglieder der Korruption angeklagt. Am Ende versöhnt sich der strenge, pflichttreue Vater mit dem Sohn. Pao Yü wird nicht die Familientradition weiterführen. Seiner großen Liebe Blaujuwel wird er als Geistermönch wieder begegnen und die Geschichte des Steins endet.

Der chinesische Autor Cao Xueqin lebte im 18. Jahrhundert und vollendete 1759 diesen Roman, der 1791 erstmals veröffentlicht wurde. Übersetzt von Franz Kuhn sagt dieser im lesenswerten Nachwort des Romans, dass dieser „ … nicht für enge Fachkreise, sondern für das große gebildete Leserpublikum bestimmt“ ist. Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt, an deren Anfang eine Zusammenfassung steht. So endet das Buch mit den L. Kapitel, in dem Pao Yü die Prüfung mit Ehren besteht und dem roten Staub der Welt entsagt. Schi Jin und Yü Tsun begegnen sich nochmals und beschließen die Geschichte des Steins.

Das Buch war für mich ein wunderbarer, chinesischer Lesetraum. Es vermittelt viel vom Zauber Chinas samt seiner höfischen Kultur und hat mich auf meiner Reise begleitet. Glücklich wer dieses Buch in einem chinesischen Park lesen kann. In China kennt jeder gebildete Chinese dieses Buch und als Ausländer erhält man ein hohes Ansehen, wenn man es ebenfalls gelesen hat.

 

 

Weitere Infos:   www.suhrkamp.de/buecher/der_traum_der_roten_kammer-_33472.html,   https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Traum_der_Roten_Kammer

Bilderquellen:   Jacqueline Böttger,   Odette Nathke

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