Bonnie Nadzam – Mr. Lamb

Mr.LambGastrezension von Odette

Ein grenzwertiger Balanceakt

Bonnie Nadzam

Mr. Lamb

dtv, erschienen Januar 2016, 240 Seiten, TB 9,90 €

 

Ist es ein fast normaler Roadmovie, in dem der 54-jährige Gray, eigentlich David Lamb, die 11-jährige Tommie zu einem Ausflug in die Berge mitnimmt?

Geplant ist die entstandene Bekanntschaft zwischen den Beiden nicht. Tommie wird von den Mädchen ihrer Clique zu einer Mutprobe aufgefordert. Sie soll den älteren Mann auf dem Parkplatz ansprechen und um eine Zigarette bitten. Tommie, an der Schwelle zum Teenager, ist sehr lasziv gekleidet. Falsche Wimpern umrahmen ihre Augen und ein lila Top, welches mit Tackern zusammenhält, bedeckt ihren Körper. Gary kommt gerade von der Beerdigung seines Vaters. Von seiner Frau lebt er getrennt und auch beruflich befindet er sich in einer Sackgasse. Er gibt Tommie die gewünschte Zigarette, schlägt ihr dabei noch eine weitere Mutprobe vor. Wäre es nicht cooler, wenn sie gemeinsam ein Kidnapping vortäuschen und damit die anderen Mädchen erschrecken. Dies soll als Lehre für die Mädchen gelten, die eine Freundin zu einem Fremden, um Zigaretten zu schnorren, schicken. Doch keines der Mädchen reagiert besorgt, da Tommi von ihnen gemobbt wird. Gary will Tommie seine Dominanz zeigen, indem er sie belehrt, nie zu Fremden ins Auto zu steigen.

Ob es pädophile Neigungen sind, die ihn am nächsten Tag wieder zu diesem Parkplatz ziehen, bleibt offen. Fast väterlich, eigene Kinder hat er nicht und beeindruckt von der ärmlichen Lebensweise von Tommie, trifft er sie immer wieder. Er lebt in wohlhabenden Verhältnissen und ihn bedrückt das Hochhausghetto in dem das Mädchen mit ihrer Mutter lebt. Seiner inneren Leere und Einsamkeit, will er eine Aufgabe geben. Tommie ist offen für diese Zweisamkeit. Als heranwachsende Person fühlt sie sich von ihren Eltern missverstanden und ist enttäuscht von der kargen Lebensweise. Gern würde sie ihrem Alltag entfliehen.

Tommie spürt die Verletzlichkeit von Gary, will ihm helfen und ihn nicht enttäuschen. Kurz nach ihrem ersten Treffen steigt sie erneut in sein Auto, die Fahrt ins Ungewisse beginnt. Während der Fahrt zur Hütte fühlt man sich ebenso hypnotisiert. Man möchte aufhören zu lesen, so wie Tommie immer wieder aussteigen möchte. Gary beginnt sie zu manipulieren und auszutesten. Wie weit wird er gehen?

 

Ein Stilmittel der Autorin Bonnie Nadzam ist, dass die Charaktere nicht stärker beschrieben werden. Sehr wenige Empfindungen der Hauptfiguren werden geschildert. Somit schwankt der Leser zwischen Hass und starker Aversion, soll sich eine eigene Meinung bilden. So richtig ist der Funke beim Lesen nicht übergesprungen. Der Schluss ist zwar stark, aber unwahrscheinlich leer. Am Ende geht Gary fast den unwiderruflichen Schritt.

Mr. Lamb – ist kein Lamm. Es ist ein Buch, welches an der Schwelle von Grenzen balanciert.

 

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© Tina Wood

Bonnie Nadzam studierte Englische Literatur und Environmental Studies am Carlton College, sie hat einen Master und wurde von der University of Southern California promoviert. Sie publizierte Gedichte und Kurzprosa in verschiedenen Zeitschriften, Mr. Lamb ist ihr erster Roman, von der Presse hoch gelobt und ausgezeichnet mit dem Flaherty Dunnan First Novel Prize 2011.

Quelle: dtv

 

 

Weiterer Infos:   www.dtv.de/autor/bonnie-nadzam-14459/,   www.dtv.de/buch/bonnie-nadzam-mr-lamb-14471/,   https://www.dtv.de/special-bonnie-nadzam-mr-lamb/startseite/c-241

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   https://www.dtv.de/_files_media/cms_uploads/autorenfotos/500b/4698.jpg

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