Bernhard Kegel – Abgrund

Bernhard Kegel - AbgrundGastrezension von Odette

Komplizierte Verhältnisse zu Wasser und an Land

 

Bernhard Kegel

Abgrund

mareverlag, erschienen März 2017, 384 Seiten, HC 22,00 €

 

Die Sommerreisezeit beginnt und als spannende, kurzweilige Urlaubslektüre möchte ich dieses Buch vorschlagen. Es ist nicht nur ein Urlaubsbuch, weil es von einer Urlaubsreise handelt und auf einer Insel spielt, sondern weil man es nicht aus den Händen legen wird. Als Urlaubsdestination fliegen wir mit diesem Buch auf die Galapagosinseln. Während des Fluges entführt uns der Autor Bernhard Kegel, der neben der Schriftstellerei eigentlich promovierter Biologe ist, im Prolog noch in die Welt von Darwin. 1835 besuchte Charles Darwin diese Inselgruppe zu Forschungszwecken. Mit ihm erlebt der Leser die wilde traumhafte Natur der Inselgruppen und trifft auf die Finken mit denen der Roman enden wird. Leser der Bücher von Bernhard Kegel werden einen der Protogonisten, den Meeresbiologen Hermann Pauli, wieder erkennen. 

 

Abgrund“ ist der dritte Pauli-Roman

Hermann Pauli beschließt mit seiner neuen Freundin Anne Detlefsen, der Leiterin der Kieler Mordkommission, gemeinsam Urlaub zu machen. Als Wissenschaftler versucht er, diese Tage der Freizeit mit seinen wissenschaftlichen Studien zu verbringen und da Anne auch gern taucht, ist ein Ausflug nach Ecuador auf die Galapagosinseln ein lohnendes Ziel. Lange bleiben sie auch nicht an Land, sondern betreten nach der Ankunft das Forschungsschiff Queen Mabel. Die Enge auf dem Schiff und die unruhige See lassen Anne von einer zweiten Entdeckungsfahrt Abstand nehmen. Sie bleibt allein auf der Charles-Darwin Forschungsstation in Puerto Ayora zurück, während Hermann noch einmal in See sticht, um den seltsamen Hai, welchen beide bei ihrem ersten Tauchgang fotografierten, näher zu erkunden. Aus dieser Ausgangssituation entwickeln sich nun zwei spannende Geschichten in Form von Krimis weiter. Anne gerät in einen Krimi, der sie vor das Rätsel von brennenden Booten in der Nacht stellt. Hermann in einen Wissenschaftskrimi über die Mutation und Veränderung der Lebensgemeinschaft im Meer. Parallel dazu kommt es noch zu einem gigantischen Vulkanausbruch.

Während also Hermann den Abenteuern der Wissenschaft hinterhertaucht, muss Anne leider Mitglieder seiner Forschungsgruppe der Anschläge auf die Touristenboote verdächtigen. Speziell denkt sie, nachdem sie ein Gespräche von David und Lieke belauschte, das der ungestüme David und nicht die Fischer der Insel hinter den Anschlägen stecken. Als Motiv könnte ihn der Hass auf die Umweltverschmutzung durch den Tourismus auf den Inseln und damit die Zerstörung seines Forschungsgebietes der Korallen beflügelt haben. Mittlerweile legen hier riesige Kreuzfahrtschiffe an. Als Hermann von seinem Forschungsausflug zurückkommt, unterrichtet Anne ihn von den Vorgängen. Während einer illegalen Zimmerdurchsuchung von Davids Zimmer finden beide eine Chemikalie, die zur Herstellung von Sprengstoff benötigt wird. Als sie dann noch erfahren, das David auf einem der Kreuzfahrtschiffe als Guide unterwegs ist, reagieren sie über.

Leider tritt hier nun die wissenschaftliche Arbeit zum Thema tierische Hybride zurück. Die Geschichte wird hektisch und Anne wurde mir immer unsympathischer. Gut das der Autor Bernhard Kegel im zweiten Teil das Thema wieder auf die Natur bringt. Das Buch endet auf der Isla Daphne Major, auf der die Forscherfamilie Little lebt und die Big Birds, die sich aus einer Finkenfamilie als Hybrid weiterentwickelt haben, erforscht. So schließt sich das Buch wie ein Kreis und wir kehren zu Charles Darwin zurück.

 

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© Mathias Bothor

Bernhard Kegel, Jahrgang 1953, ist promovierter Biologe, leidenschaftlicher Jazzgitarrist und vielfach ausgezeichneter Autor von Romanen und Sachbüchern. Zuletzt erschien 2009 das Sachbuch Epigenetik. Wie Erfahrungen vererbt werden, das heute in 4. Auflage vorliegt und in Österreich auf die Shortlist zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt wurde. Im mareverlag erschienen sind seine Romane Der Rote (2007) und Ein tiefer Fall (2012). Bernhard Kegel lebt mit seiner Familie in Brandenburg und Berlin.

Quelle: mareverlag

 

Weiterer Infos:   www.mare.de/index.php?article_id=4534&setCookie=1,   www.mare.de/index.php?article_id=3110

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,    http://www.mare.de/index.php?rex_resize=263w__kegel_mathiasbothor_web.jpg

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