Benjamin von Stuckrad-Barre – Panikherz

PanikherzGastrezension von Odette

… mach Dein Ding!

Benjamin von Stuckrad-Barre

Panikherz

Verlag Kiepenheuer & Witsch, erschienen März 2016, 576 Seiten, HC 22,99 €, TB 12,99 €

 

Im mythenumrankten Hotel „Chateau Marmont“ lässt Benjamin von Stuckrad-Barre sein bisheriges Leben Revue passieren und verarbeitet seine Erkenntnisse im Buch Panikherz. Finanziert wird dieser langanhaltende Kuraufenthalt im Gartenhaus des Hotels von seinem großen Helden Udo Lindenberg. Vom Gartenpool des Hotels hört er das Rauschen der Partys, erlebt den Glamour der Filmwelt und den Hype auf die berühmten Rockstars. Einst war er noch Mitglied dieser ewig feiernden Gesellschaft, doch wer es übertreibt, kann wählen zwischen dem Heldentod eines VIPs oder einem abstinenten Weiterleben. In Panikherz entscheidet er sich für das Weiterleben und so wird das Buch zu einem Lexikon über die Musikbranche der letzten 30 Jahre.

Sein Bruder infizierte ihn mit dem Udo Lindenberg Gen. Stuckrad-Barre nutze es, um erste Einblicke in die Musikbranche zu erhalten und fand hierin seine Berufung. Über Musik zu berichten wurde sein Ding, nebenbei lernte er die angesagtesten Bands backstage kennen. Nach den Auftritten folgten die Partys, nach dem Feiern dann die Arbeit. Als Journalist schrieb er Berichte über die Auftritte und die Künstler, lernte auch so sein Idol Udo Lindenberg privat kennen. Immer tiefer drang er in die Szene ein. Führte das gleiche Leben wie die Stars und verfällt dieser aufgedrehten Welt, deren Geschwindigkeit er nur noch mit Drogen ertragen kann. Es folgen Rausch, Absturz, Einsicht, Reue, Verzicht, Entziehungskuren und Neustart in den Kreisel der Sucht. Leider fehlt eine klare Analyse des „Warum“. Doch das ist seine Privatsphäre und wenn er darüber schreiben wollte, hätte er es getan. Vielleicht ist ihm der Realitätsverlust der Vergangenheit peinlich. So ist das Buch für meinen Geschmack auch eine Art Therapie, bei der man als Leser mitmachen kann, sie einfach nur liest oder nach der Hälfte weglegt. An vielen Stellen leidet man beim Lesen mit. Bildlich sieht man seine kahle, dunkle Wohnung mit der Stehlampe und den Laptop vor sich.

 

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© Olaf Heine

Parallel zu seiner Entwicklung wird das Leben von Udo Lindenberg eingeblendet. Erst war Benjamin von Stuckrad-Barre nur Fan, dann lernte er ihn für ein Interview kennen. Äußerte sich negativ über seine Musik. Jahre später als Beide vor dem Abgrund stehen, hielt der als großmütiger und verzeihender Mensch geschilderte Lindenberg, zu dem jungen Autor und wird sein Retter.

 

Benjamin von Stuckrad-Barre wurde 1975 in Bremen geboren. Er ist Autor von zahlreichen Büchern. Sein Buch „ Soloalbum“ wurde verfilmt. Seine Werke und seine journalistischen Texte zählen zur deutschen Popkultur. Zeitweise war er Texter bei der Harald Schmidt Show und zählt auch Harald Schmidt zu seinen Vorbildern.

 

Weitere Infos:   http://www.stuckradbarre.de/,   http://www.kiwi-verlag.de/buch/panikherz/978-3-462-04885-8/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   http://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_1309.jpg

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