Amélie Nothomb – Töte mich

Amélie Nothomb - Töte michMord mit happy end?

 

Amélie Nothomb

Töte mich

Diogenes Verlag, erschienen August 2017, 112 Seiten, HC 20,00 €

 

Auf Ihrem Fest werden Sie einen Gast töten. Beruhigen Sie sich. Alles wird wunderbar ausgehen.

Mit dieser ungewöhnlichen Mitteilung einer Wahrsagerin nimmt Graf Henri Neville seine jüngste Tochter Sérieuse in Empfang. Das Sorgenkind seiner drei Kinder geht gerne an ihre Grenzen. So versuchte sie, eine kalte Septembernacht in einem Wald zu überleben. Oder auch nicht, wie sich im Verlauf des Romans zeigen wird. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr war Sérieuse ein fröhliches Kind. Fortan veränderte sie sich, ist in sich gekehrt und nachdenklich. Neville sieht Parallelen zu seiner älteren Schwester, welche im jungen Alter verstarb. 

Doch als Pensionär und mittelloser Schlossherr von Le Pluvier, über Jahrhunderte im Familienbesitz, hat er ganz andere Sorgen. Wunderschön in den Belgischen Ardennen gelegen, ist es jedoch mehr als renovierungsbedürftig. Trotz jahrelangem Verzicht, bei dem selbst die eigenen Kinder hungerten, konnte er zwar sein Ansehen retten, das Schloss jedoch finanziell nicht halten können. Nun steht alles am Scheideweg. Anfang Oktober gibt er seinen letzten alljährlich stattfindenden Sommerempfang.

Immer wieder kommt ihm die Vorhersage der Wahrsagerin in den Sinn. Anfangs noch ungläubig verdrängt, bringt sie ihn nun um den Schlaf. Die Erlösung sieht er in einem geplanten Mord. Sein Opfer ist schnell gefunden, der von allen gehasste Cléophas de Tuynen soll es sein. Doch als er erfährt, dass dies sein Ansehen in der Gesellschaft schädigen wird, verwirft er diesen Gedanken wieder. Seiner Tochter Sérieuse bleibt seine Verunsicherung nicht verborgen. Nur wenige Tage vor dem Fest unterbreitet sie ihm einen unglaublichen Deal.

Auf nur gut hundert Seiten gelingt Amélie Nothomb ein Meisterwerk. Eine intelligente Geschichte, tiefsinnige Zwiegespräche mit feinem Humor und ungeahnte Wendungen erwarten den Leser. Die geschilderte Situation ist zwar surreal, aber gerade deshalb so unterhaltsam zu lesen. Die Sprache wird zum Spielball. In den Dialogen spielen sich Vater und Tochter diesen geschickt zu. Als Leser können wir diesem Schauspiel amüsiert folgen. Um die Spannung zu halten, sei der Ausgang des Romans hier natürlich nicht verraten.

 

Die ungewöhnliche Aufforderung wie Töte mich veranlasste mich auch zu ungewöhnlichen Lese-Perspektiven.

 

Mein Fazit: Intelligente Unterhaltung auf höchstem Niveau! Amélie Nothomb hat zahlreiche Romane geschrieben, welche immer wieder mit überraschenden Geschichten aufwarten. So auch Die Reinheit des Mörders, dass ich euch ebenfalls empfehlen kann.

 

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© Catherine Cabrol

Amélie Nothomb, 1967 in Kobe, Japan, geboren, hat ihre Kindheit und Jugend als Tochter eines belgischen Diplomaten hauptsächlich in Fernost verbracht. Seit ihrer Jugend schreibt sie wie besessen. In Frankreich stürmt sie mit jedem neuen Buch die Bestsellerlisten und erreicht Millionenauflagen. Für ›Mit Staunen und Zittern‹ erhielt sie den Grand Prix de l’Académie française. Amélie Nothomb lebt in Paris und Brüssel.

Quelle: Diogenes

 

 

Weitere Infos:    http://www.diogenes.ch/leser/autoren/n/amelie-nothomb.html,   http://www.diogenes.ch/leser/titel/amelie-nothomb/toete-mich-9783257069891.html

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   Pressebild_AmelieNothomb_cFoto-Catherine-Cabrol_72dpi[1]

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