A.L. Kennedy – Schreiben

SchreibenGastrezension von Odette

Blogs & Essays

 

Alison Louise Kennedy

Schreiben

Hanser Verlag, erschienen September 2016, 208 Seiten, 22,00 €

 

Als eifrige Bloggerin gibt es Tage und Wochen, an denen ich verzweifle und mir keine Wörter und Texte einfallen wollen. Natürlich denke ich dann, dass es nur mir so geht und alle anderen immer motiviert zur Tastatur greifen und perfekte Texte verfassen. In eben dieser Situation schenkte mir meine Freundin Jacqueline das Buch Schreiben von A.L. Kennedy. Von dieser britischen Gegenwartsschriftstellerin las ich bereits die Kurzgeschichtensammlung Der letzte Schrei. Dieses Buch gefiel mir sehr gut. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass solch eine kühne und perfekte Schriftstellerin auch Probleme mit dem Schreiben haben sollte. Umso mehr spornte mich ihr „Vorwärts“, das jeweils letzte Wort eines Blogeintrages, zum Weiterlesen und auch zum Schreiben an.

 

Das Buch Schreiben: Blogs & Essays enthält 26 Blogeinträge, welche in der Zeitung „The Guardian“ veröffentlicht wurden. Ergänzt werden diese um drei weitere Essays. In den Blogeinträgen schildert sie ihr tägliches Schreibschicksal. Gesundheitlich wird sie oft zurückgeworfen, rafft sich doch immer wieder auf und vermittelt dies auch an die Studenten, welche sie an der Warwick Universität in Schreib-Workshops unterrichtet.

Das erste Essay beschäftigt sich mit dem Thema, einen Charakter für seine Figuren zu entwickeln. Figuren hegen Erwartungen in dem Leser und müssen deshalb das enthalten, was das Buch zum Leser bringt. Echte Menschen sind hierbei eher uninteressanter. Die Figur, ist wie der Schauspieler, eine Illusion. Gemeinsam mit der Figur geht man dann auf Reisen in beiderlei Sinn. Der Schriftsteller ist dabei der unsichtbare Passagier. Allerdings sollte die Person gut recherchiert sein, wenn man einen russischen U-Boot Matrosen beschreibt, sollte man schon einmal Borschtsch gegessen haben. Wenn die Figur dann entwickelt ist, hat sie eine Stimme, die im Kopf der Lesenden herumgeistert. Um diese Stimme, das Lebenszeichen, geht es im zweiten Essay. Schriftsteller verleihen ihren Figuren eine Stimme, aber Alison Louise Kennedy arbeitet auch selber hart daran, ihre Tonstimme zu verbessern. Sie liebt es, barfuß zu schreiben und sammelt deshalb ihre Ideen auch beim barfuß Lesen. Oft arbeitet sie vom Bett aus, da ihre zahlreichen Infektionskrankheiten sie an dieses fesseln. Die Schriftstellerin persönlich zu erleben ist auch recht selten, denn sie ist keine Freundin von Lesereisen.

 

In der Solo-Performance word, erfährt der Leser in einer Art Biographie, wie die Wörter zu ihr kamen. Ihr Zitat aus diesem Essay belegt, dass man sich nicht zu viel auf seine Sätze einbilden soll. Nach einer Lesung in Schweden kommt eine Frau auf sie zu und möchte das Buch gern signiert haben.

…“Eine Frau steht in der Schlange, arbeitet sich allmählich zu mir heran, und als sie vor mir steht, bittet sie: “Können Sie mir etwas Ermutigendes hineinschreiben?“ Da denke ich: „Ich könnte nicht nur groß herauskommen in Schweden. Ich könnte sogar eine Art Guru für Schweden allüberall werden.“ Und ich sage zu ihr: „Ach, haben Sie gerade schwere Zeiten hinter sich?“ Nein, nein – es ist nur so, dass ich das Buch schon drei Mal angefangen habe, und ich kriege es einfach nicht durch.“

Ein wichtiges Plädoyer, dass man auf seine eigene Stimme hören soll und mit der Tatsache leben muss, man wird nur selten reich mit dem Schreiben.

 

In Schreiben beschreibt A.L. Kennedy das Handwerk des Textens. Das Buch ist nicht belehrend, sondern witzig und anregend geschrieben. Absolut lesenswert – egal ob man Schriftsteller werden will, Blogger ist oder sich nur für das Thema interessiert. Also „Vorwärts“.

 

http://www.thetimes.co.uk/tto/multimedia/archive/00339/113746002_339940c.jpgA.L. Kennedy, 1965 im schottischen Dundee geboren, wurde bereits mit ihrem ersten Roman Einladung zum Tanz (2001) berühmt und zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen englischen Autorinnen. Sie wurde mit zahlreichen wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Kennedy lebt in London und unterrichtet kreatives Schreiben an der University of Warwick.

Quelle: Hanser Verlag

 

 

Weitere Infos:   https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/schreiben/978-3-446-25284-4/,   https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/al-kennedy/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   http://www.thetimes.co.uk/tto/multimedia/archive/00339/113746002_339940c.jpg

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