Turbulenter Rückblick auf eine winterliche Buchmesse

Messe-RückblickLeipziger Impressionen 2018

Nach einem aufregenden, leider wie immer viel zu kurzem, Aufenthalt auf der Leipziger Buchmesse möchte ich euch nun an meinen schönsten Momenten und Begegnungen mit lese- und schreibwütigen Menschen wie Bloggern, Verlagsleuten und Autoren teilhaben lassen.

Gewappnet mit meiner aktuellen Lektüre „Leinsee“ und der BOXPOST startete ich meine Bahnfahrt. Nach den ersten Buchkapiteln stellte ich fest, dass das Thema Farben wohl gerade im Trend liegt. Nachdem mir in Mareike Fallwickls Roman die Synästhesie begegnete, eine besondere Begabung, die sie ihrem Protagonisten zuschrieb, treffe ich bei Anne Reinicke nun auf mit Farben bezeichnente Kapitelüberschriften. Stilistisch ordne ich dies hier der Handlung im Künstlermilieu zu. Interessanter Ansatz und ich bin gespannt auf mehr.

In der Frühjahrsausgabe der BOXPOST, mit Leseempfehlungen und Veranstaltungstipps der Berliner Buchhandlung BUCHBOX, fand ich meinen abgedruckten Blogbeitrag zur BLACKBOX – Genuss nach Schluss. Ein exklusives Event der BUCHBOX, welches ich mit meinem Literaturkreis Berlin in der Vorweihnachtszeit besuchte. An diesem Abend kaperten wir sozusagen die Buchhandlung und konnten zwei Stunden lang nach Herzenslust Lesen und Stöbern. Ein wunderbares Erlebnis, dass ich jedem empfehlen kann und selbst nochmal wiederholen werde. Den kompletten Beitrag findet ihr unter diesem Link.

 

 

Nach entspannter Bahnfahrt und pünktlicher Ankunft in Leipzig ging es gleich zum Messegelände. Auf dem Programm standen Verlagstermine bei Kiepenheuer & Witsch, Diogenes, Aufbau Verlag und Dumont. Einen wunderbaren Einstieg in die faszinierende Leipziger Lesewelt fanden wir am Stand von Kiepenheuer & Witsch. Hier tauchten wir in die Herbst-Neuheiten ein und freuen uns auf Philipp Schwenkes Roman über den vermeintlichen Abenteurer Karl May sowie den dritten Teil von Despentes „Das Leben des Vernon Subutex“.

KiWi-TreffenDas nächste Highlight wird im Juni 2018 die LitBlog-Convention in Köln werden, initiiert von Kiepenheuer & Witsch, Diogenes, Bastei Lübbe, Dumont Buchverlage und Dumont Kalenderverlag. Diesmal stehe ich gemeinsam mit Kerstin Hämke von Mein Literaturkreis als Speaker auf dem Programm. Wir werden uns dem wunderschönen Thema Literaturkreise widmen, welche vielerorts ein Revival erfahren. Vielen Buchfreunden reicht das Lesen allein mittlerweile nicht mehr aus. Sie wollen sich austauschen, gemeinsam mit anderen buchaffinen Menschen über das Gelesene diskutieren. Die Konzepte von Literaturkreisen sind vielfältig und genau dies hat Kerstin Hämke in ihrem Ratgeber für Literaturkreise, welcher im Herbst erscheint, beleuchtet. Da ich als Buchbloggerin selbst im Literaturkreis Berlin aktiv bin, stelle ich meine Erfahrungen vor und werde unsere bisherigen Erlebnisse mit euch teilen. In gewisser Weise beruht auch mein Buchblog Lesevergnügen – mit allen Sinnen lesen, erleben und genießen – auf der Idee unseres Literaturkreises. Ihr könnt also gespannt sein! 😉

Im Anschluss ging es zum Bloggertreffen bei Diogenes. Nach einem ersten Ausblick auf den Diogenes-Bücherherbst, stehen nun einige Novitäten auf meiner Wunschliste. Wie auch in den Jahren zuvor stand exklusiv ein Überraschungsgast auf dem Programm. Diesmal las Anne Reinicke aus ihrem Debütroman „Leinsee“, welcher mit für den Debütpreis der diesjährigen LitCologne nominiert ist. Wie anfangs erwähnt, lese ich gerade diesen Roman und ihr werdet die Rezension demnächst hier auf dem Blog finden.

Neben weiteren Terminen beim Aufbau Verlag und last but not least beim Dumont Buchverlag, sahen wir noch einige bekannte Autoren. Darunter waren Isabel Bogdan („Der Pfau“), es folgte ein kurzes shake hands mit Peter Stamm und schließlich saßen wir bei Dumont direkt neben Petra Hartlieb („Wenn es Frühling wird in Wien“).

 

 

Am Stand von Literarisch Reisen stießen wir zu guter Letzt auf eine sehr interessante Idee, die wir in Rahmen unseres Literaturkreises als auch thematisch auf dem Blog aufgreifen werden. Da wir auf diesem Gebiet bereits aktiv sind, findet ihr regelmäßig buch- und kunstaffine Ausflugs- als auch Ausstellungstipps auf dem Blog. Bei Literarisch Reisen fanden wir eine tolle Kombination von Büchern zu literarischen Spaziergängen, die man selbst erkunden kann, und alternativ thematische Reiseangebote eines Veranstalters. Im Gespräch mit der Verlegerin Ute Fritsch vom Verlag Jena 1800 lernten wir beispielweise das Wandern auf Fontanes Spuren, im nächsten Jahr wird der 200. Geburtstag gefeiert, sowie die Berliner Spaziergänge zu Wohn- und Arbeitsorten bekannter Schriftsteller, Gelehrter und Künstler, kennen. Hierüber werden wir zeitnah berichten. 

 

 

Nach diesem langen Messetag läuteten wir, den inzwischen winterlichen Abend mit einem leckeren Abendessen im Restaurant Chumumi ein. Mit dem Slogan „Für alle die keine asiatische Mami haben“ verwöhnte es uns mit einer sehr schmackhaften Vietnam-Indochina-Cuisine.

 

 

Stilgerechte Wohnzimmer-Lesung

Wohnzimmer-Lesung (6)Weiter ging es zur gemütlichen Wohnzimmer-Lesung in besonderer Atmosphäre, die mich an die privaten Literatursalons vergangener Zeiten erinnerte. Die Debütantin Mareike Fallwickl ist eine Frau voller Energie und kreativem Tatendrang, die sofort Sympathie ausstrahlt. Erwartet wurde sie im Dachgeschoss einer Leipziger Gründerzeitvilla von Buchbloggern und Freunden. Im kleinen Kreis, bei gemütlichen Licht und einem Getränk in der Hand, konnte es losgehen. Die Lesung moderierte der Buchblogger Uwe Kalkowski (Kaffeehaussitzer) und so erhielten wir im begleitenden Gespräch, sehr persönliche Einblicke in das Leben der frischgebackenen Autorin.

Nach eigener Aussage gibt es für Mareike Fallwickl im Alltag keine Leerläufe, das Wort Langeweile ist ihr völlig fremd. Als Freelancer, Buchbloggerin und Familienmensch, ist jeder Tag der zweifachen Mutter durch getaktet. Alles passiert mit Dringlichkeit und knappen Zeitfenstern, die sie exzellent zu nutzen weiß. So erklärt sich auch, dass in diesem Rhythmus auch noch das Schreiben eines Romans seinen Platz gefunden hat. Sie hat die beneidenswerte Gabe, sofort auf ein neues Thema switchen und hier auch ohne Wohlfühlatmosphäre kreativ arbeiten zu können. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ihr Romandebüt Dunkelgrün fast schwarz begeistert die kritische Buchbloggerwelt und die Feuilletons gleichermaßen.

Die Geschichte des brisanten Teenager-Dreiergespanns Moritz, Raffael und Johanna entführt uns nach Hallein, dem Heimatort der Autorin. Die Frage nach einem biografischen Hintergrund der Geschichte kam natürlich prompt. Doch dieser wurde gleich mit der Begründung fehlender Recherchezeit abgeschmettert. Sie wollte die Geschichte schnellstmöglich schreiben, was liegt da näher als ein Ort zu wählen, den sie wie ihre Westentasche kennt. Bis auf den Rektor, inzwischen schon verstorben, sind alle Personen frei erfunden. Umso mehr Respekt verdienen die eingehenden Beschreibungen ihrer Protagonisten, die in ihrer Tiefe einfach besonders sind. Mit ihrem österreichischen Dialekt vertiefte sie meine Gefühle für den Synästhetiker Moritz, dem Draufgänger Raffael und der nach Liebe suchenden Johanna. Ein wunderbarer Abend bleibt mir in Erinnerung. Dunkelgrün fast schwarz, die Rezension findet ihr auch auf dem Blog, solltet ihr unbedingt lesen!

 

 

So sieht also der Leipziger Frühling aus

Messe-WinterBeschwingt ging es am Samstag, durch das unverhofft winterliche Leipzig, zu weiteren Verlagsterminen. Dazwischen blieb mir noch Zeit, um das umfangreiche Messeprogramm mit Autoreninterviews zu besuchen. So begegnete ich tatsächlich Kristine Bilkau, „Die Glücklichen“, die ihren neuen Roman „Eine Liebe in Gedanken“ auf der 3sat-Couch vorstellte. Anschließend schaute ich nebenan in der MDR-Lounge bei Peter Stamm („Weit über das Land“) vorbei. Dessen riesige Plakatwand am Stand von dtv mit der Frage „Das eigenen Leben noch einmal leben. Was würdest du anders machen?“ sahen viele Besucher als Aufforderung, ihre persönlichen Wünsche zu verewigen. Offensichtlich ein gelungenes Konzept wie ein Foto zeigt, auch mich regte dies zum Nachdenken an.

Abschließend verweilte ich noch beim Blauen Sofa in der Glashalle. Hier stellte die Norwegerin Maja Lunde, die mich mit „Die Geschichte der Bienen“ im letzten Sommerurlaub total begeisterte, ihren neuen Roman „Die Geschichte des Wassers“ vor. Auch der zweite Roman wird sich mit der uns alle betreffenden Klimaproblematik beschäftigen und nach Maja Lundes Auskunft zu einem geplanten Klima-Quartett gehören. Worum es in den zwei weiteren Büchern gehen wird, wollte sie den Fans natürlich noch nicht verraten. Aber auch dieser Roman lässt sich wieder als Liebes- und Lebensgeschichte in verschiedenen Zeitebenen sowie als Kritik an den herrschenden Bedingungen lesen. Eine erneute Wissensvermittlung diesmal zum Thema Wasser inklusive. Gespannt auf diesen Roman, hoffe ich auf eine weitere packende Story.

 

Inspiriert, mit vielen neuen Ideen und etlichen Leseempfehlungen im Gepäck, sollte es noch zur Ausstellung „150 Jahre Reclam Universal-Bibliothek“ in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig gehen. Doch leider machte mir das Leipziger Winterwetter einen Strich durch die Rechnung. Den krönenden Messeabschluss bildete somit meine Rückreise mit der Deutschen Bahn. Nachdem mich die ersten Meldungen zum eingestellten Bahnverkehr rund um Leipzig erreichten, stand nicht mehr Sightseeing sondern der Hauptbahnhof als nächste Anlaufstelle auf dem Programm. Nach Umwegen über Halle Hauptbahnhof und mit eiskalten Füßen ging es mit dem ICE an diesem Abend, zwar mit enormen Verspätungen, aber dennoch zurück nach Berlin!

 

Abschließend wie immer ein herzliches Dankeschön an alle lieben Buchmenschen und Bloggerkollegen, die mir begegnet sind und an jene, die ich leider nicht getroffen habe!

 

Und wieder verabschiede ich mich mit:

Tschüss Leipzig, bis zum nächsten Jahr!

 

Bildquelle:   Jacqueline Böttger

2 thoughts on “Turbulenter Rückblick auf eine winterliche Buchmesse

  1. Liebe Jasmin, das wird auf jeden Fall spannend. Ich freue mich schon sehr auf das Thema Literaturkreise und einen angeregten Austausch. Sicher werde ich auch neue Anregungen für uns mitnehmen. 😉

  2. Oh, das sind ja sehr schöne Ideen für unsere zukünftigen Literaturkreise – ich bin schon sehr gespannt. Die Vorstellung bei der dritten LitBlog Convention finde ich total spannend. Das Event habe ich mir schon mal vorgemerkt. Vielleicht richte ich einen Besuch in Köln an dem Wochenende mit ein 🙂

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