Tschüss Leipzig!

LBM-Impressionen (9)Mein Messe-Rückblick 2017

 

Vorfreude ist die schönste Freude, da ist wirklich was dran. Denn nun ist auch mein inzwischen drittes Jahr als Bloggerin auf der Leipziger Buchmesse schon wieder Geschichte. Und besonders Geschichte wurde in diesem Jahr, dem 500. Jahrestag der Reformation, groß geschrieben, aber dazu später mehr.

Von dieser aufregenden, viel zu schnell vergehenden Zeit sowie meinen Eindrücken, Erlebnissen, schönsten Momenten, wunderbaren Begegnungen mit lese- und schreibwütigen Menschen wie Bloggern, Journalisten, Verlagsleuten und vor allem vielen Autoren, möchte ich euch nun berichten.

Bücher im Gepäck (2)Eines sei an dieser Stelle bereits vorweg genommen, die Professionalität der Blogger hat sich in den letzten Jahren enorm gesteigert. Wir sind im Buchmarkt präsent, haben unsere Leser und eine starke Community. Viele Blogger sind nicht nur online unterwegs sondern haben bereits in Magazinen ihre Buchempfehlungen veröffentlicht. Somit sind wir ein wichtiger Bestandteil des Literaturbetriebes geworden, welches sich auch in den vielfältigen Einladungen und organisierten Bloggertreffen der Verlage wiederspiegelt. Da musste ich mein enges Zeitfenster sehr gut takten. Mit zwei überraschenden Büchern im Gepäck und der Vorfreude diese beiden Autorinnen nun persönlich kennenzulernen, reiste ich Donnerstag Abend in Leipzig an.

 

 

Moritzbastei - Fatma Aydemir (17)Einen wunderbaren Einstieg in die faszinierende Leipziger Lesewelt bot mir das meet & greet mit Fatma Aydemir, einer Debütautorin des Münchner Hanser Verlages, in der beliebten Moritzbastei. Hier findet in jedem Jahr die Lange Leipziger Lesenacht mit unzähligen und stetig wechselnden Lesungen in einem absolut einmaligen Ambiente, den Gewölben der damaligen Stadtbefestigungsanlagen, statt. Im Fuchsbau lauschten die geladenen Blogger exklusiv Auszügen aus dem Roman Ellbogen und diskutierten angeregt mit der Autorin Fatma Aydemir und ihrem Lektor Florian. Die Geschichte in Ellbogen ist zwar fiktiv, dennoch polarisiert sie so sehr, da uns die Gegenwart bereits eingeholt hat. Nachdenklich und lesenswert zugleich, ich werde Ellbogen demnächst auf dem Blog besprechen. Den Abend ließen wir mit zahlreichen Lesungen, das gesamte Programm bietet sage und schreibe 20 Lesungen mit mehr als 50 Autoren – der absolute Lesewahnsinn! – ausklingen.

 

LBM-Impressionen (1)Beseelt und hoch motiviert ging es für mich am Freitag zum ersten Messetag. Auf dem Programm standen Verlagstermine sowie die Bloggertreffen bei Diogenes und Kiepenheuer & Witsch. Nachdem uns Diogenes im letzten Jahr mit einem exklusiven meet & greet mit dem Shootingstar der Buchszene Benedict Wells überraschte, lag die Messlatte in diesem Jahr sehr hoch. Diesmal konnte man Benedict Wells am Diogenes-Stand erleben, an dem er mit einer Torte sein einjähriges Verbleiben auf der Spiegel-Bestsellerliste mit dem absolut lesenswerten Roman Vom Ende der Einsamkeit feierte.

Zunächst wurde uns ein erster Ausblick auf den Diogenes-Bücherherbst gegeben. Einige Novitäten wie Amélie Nothomb „Töte mich“ und George Watsky „Wie man es vermasselt“ stehen nun auf meiner Wunschliste. Zwischendurch blieb auch viel Zeit, sich mit anderen Bloggern auszutauschen. Gekrönt wurde das Diogenes-Bloggertreffen dann von zwei Überraschungsgästen. Zuerst kam Martin Suter, der mit Elefant gerade die Spiegel-Bestsellerliste stürmt. Kurzweilig erzählte der Schweizer Bestsellerautor uns von seinem zuvor geführten Smalltalk mit Jussi Adler-Olsen, der ihn wie er selbst sagt regelmäßig vom ersten Platz verdrängt und stand uns für Fragen jeglicher Art zur Verfügung.

Im Anschluss lernten wir den vielfach ausgezeichneten Filmregisseur Chris Kraus kennen, der mit Das kalte Blut seinen zweiten Roman vorstellte. Hierin verarbeitet er eindrucksvoll seine persönlichen Erfahrungen, die er bei der Nachforschung zur NS-Vergangenheit seines Großvaters sammelte. Das über 1200 Seiten umfassende fiktive Werk ist aus meiner Sicht eine Lesempfehlung.

 

 

KiWi - Susann Pásztor (1)Beim KiWi-Bloggertreffen erwartete uns das nächste meet & greet, diesmal mit der Autorin Susann Pásztor und ihrem Lektor Olaf Petersenn. Die in Berlin lebende Autorin stellte uns ihren mittlerweile dritten Roman Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster vor. Hierin widmet sie sich auf ihre besondere Art dem Thema Sterbebegleitung, welches in unserer Gesellschaft immer noch eine Randerscheinung darstellt, mit der man sich bis zuletzt nicht beschäftigen möchte. Ich schätze Susann Pásztor für ihre ehrenamtliche Arbeit als Sterbebegleiterin und wie offen sie mit Schmerz und Leid umgeht, jedoch nicht zu sehr vertieft. Dies empfinde ich sehr angenehm und macht mir die Auseinandersetzung mit diesem Thema einfacher. Den Roman hatte ich bereits im Vorfeld gelesen, die Rezension findet ihr auch hier auf dem Blog.

Der Austausch ging auch über das vorgestellte Buch hinaus und interessant war, dass Susann Pásztor und Lektor Olaf Petersenn im Gegenzug auch gespannt auf uns Blogger waren. Im Vorfeld fragten sie sich, was sind das eigentlich für Typen. Susann Pásztor bezeichnete uns als „Backstage des Internets“, wie ich fnde eine sehr schöne Formulierung, und freute sich nun endlich „die Band“ kennenzulernen. Die Frage warum wir bloggen, beantworteten wir mit unserer Leidenschaft für Bücher, um das Gelesene zu verarbeiten und an unsere Leser weiterzugeben. Darüber hinaus erfuhren wir mehr über das Lektorat. Die enge Zusammenarbeit zwischen Autorin und Lektor setzt großes Vertrauen voraus. Der Lektor begleitet den Roman in der Regel schon während der Schreibphase, liest sozusagen mit anderen Augen, achtet auf Redundanzen sowie den Textflow und „poliert“ ihn bei Bedarf auf. Das Bloggertreffen verging wie im Fluge und im Anschluss an dieses sehr interressante Gespräch, nahm sich die Autorin noch Zeit für das Signieren ihres Romans.

 

Das nächste KiWi-Highlight wird im Juni die zweite LitBlog-Convention in Köln werden. Und wieder heißt es: Vorfreude ist die schönste Freude!

 

 

Clemens MeyerDen Abend ließen wir mit einem Spaziergang durch Leipzig – der uns am Gewandhaus, der Universität Leipzig, der Moritzbastei sowie dem Bookhotel Leipzig vorbei führte – ausklingen. Da die Stadt zur LBM immer mit Bücherfreunden, Journalisten und natürlich auch Autoren prall gefüllt ist, trafen wir selbst in der Straßenbahn auf die Lyrikerin Safiye Can, der wir den Weg zu ihrer nächsten Lesung zeigen konnten. Und natürlich durfte auch der Lokalpatriot Clemens Meyer auf unserem Programm nicht fehlen. So entschieden wir uns für seine Lesung in einer kleinen Galerie, die selbst bis zum letzten Stehplatz rappelvoll war. Doch das Publikum wartete geduldig und dann war es soweit. Meyer kam herein, setzte sich, las eine gute Stunde aus seinen Erzählungen Die stillen Trabanten, stand auf und ging. Ein eigensinniger Kauz mit großem Talent, den die Leipziger sehr verehren.

 

Beschwingt ging es am Samstag, nach einem ausgiebigen Frühstück in meinem Lieblings-Cafe Grundmann – man vergisst aufgrund der knappen Zeit immer wieder wie schön Leipzig auch abseits der Buchmesse ist, weiter zu verschiedenen Verlagsterminen. Inspiriert, mit vielen neuen Ideen und etlichen Lesempfehlungen im Gepäck, schaute ich auch in der Bloggerlounge vorbei. Hier traf ich auf liebe Bloggerkollegen, lernte wieder neue Buchmenschen kennen und führte angeregte Gespräche.

 

 

 

Mosaik (1)Den krönenden Messeabschluss bildete die Vorstellung des MOSAIK-Sammelbandes zur Serie „Die Abrafaxe auf Luthers Spuren“ aus dem Berliner MOSAIK Verlag. Seit Februar letzten Jahres wandern die Abrafaxe mit Luther und seinen Gefährten auf den Wegen der Reformation (weiteres zum Thema findet hier auf dem Blog), welche im Jahr 2017 ihr 500-jähriges Jubiläum feiert. Inzwischen sind bereits dreizehn Mosaik-Ausgaben zum Thema erschienen, welche jetzt in einem Buch eingebunden sind und vor allem Sammlerherzen höher schlagen lassen wird. Die Hintergründe zur MOSAIK-Geschichte und wie das geschichtsträchtige Thema Reformation verständlich als auch unterhaltsam aufgearbeitet wird, könnt ihr im Blogbeitrag MOSAIK – Geschichte hautnah erleben lesen.

 

 

Abschließend nochmals ein herzliches Dankeschön an alle lieben Buchmenschen und Bloggerkollegen, die mir begegnet sind und an jene, die ich leider nicht getroffen habe!

 

Und wieder verabschiede ich mich mit:

Tschüss Leipzig, bis zum nächsten Jahr!

 

2 thoughts on “Tschüss Leipzig!

  1. Wow, da hast du aber viel erlebt und bestimmt tolle Eindrücke und Erinnerungen gesammelt.
    Ich musste meinen Messebesuch auch ganz schön durchplanen, damit ich auch zu allen Lesungen und Terminen gehen konnte, die Mick interessiert haben. Hat am Ende natürlich trotzdem nicht geklappt, aber so ist das eben mit den Plänen. Aber immerhin die Termine, die für mich höchste Priorität hatten, konnte ich einhalten. 🙂 Bei einer Lesung zu Ellbogen war ich übrigens auch und hab das Buch gleich mitgenommen. Ich bin ganz gespannt.
    Liebe Grüße, Julia

    • Liebe Julia,
      lieben Dank für deine Nachricht. Ja, die LBM ist für mich immer das Highlight des Jahres und ich zehre noch sehr lang von den Eindrücken.
      Schade, dass wir auf der Lesung von „Ellbogen“ nicht miteinander gesprochen haben. Ich fand den Abend sehr schön. Das Buch ist absolut lesenswert und meine Rezension geht auch bald online. Schreib mir dann gern wie es dir gefallen hat – ich bin gespannt. 🙂

      Liebe Grüße und bis bald
      Jacqueline

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