Museum Barberini Potsdam

AusstellungsplakatGastbeitrag von Odette

Hinter der Maske. Künstler in der DDR

Sonderausstellung im Museum Barberini

29.10.2017 – 04.02.2018

 

Vor zwei Wochen habe ich euch die Sonderausstellung Gier nach neuen Bildern im Deutschen Historischen Museum Berlin vorgestellt. Nun hat Odette das Kunstmuseum Barberini in Potsdam besucht, welches im Januar 2017 neu eröffnet wurde und die Besucher mit zahlreichen Ausstellungen lockt. Den nachfolgenden Ausflugstipp könnt ihr noch bis Anfang Februar 2018 selbst erleben.

Eine Maske hat die Funktion sich dahinter zu verstecken, um nicht aufzufallen und um Schutz zu finden.

Lange Zeit blieben die DDR Künstler versteckt und waren unbekannter als ihre Kollegen aus den alten Bundesländern. Im Westen war Kunst eine Ware, im Osten ein Impulsgeber für die Gesellschaft. Zwischen den Zeilen zu lesen und Deutungsmöglichkeiten zu zulassen, war Sinn und Zweck der Kunst in der DDR. Titel wie „Der Artist ist tot“ von Sabine Herrmann oder der janusköpfige Mensch, gemalt von Harald Metzkes, ein Jahr nach Biermanns Ausbürgerung, verdeutlichen diese Problematik. Die Ausstellung spielt nicht die konformen gegen die nicht konformen Künstler aus. Sie hängen gleichwertig nebeneinander. Durch die Reibung mit dem Staat sind ausdruckstarke Werke entstanden, die der Museumsstifter Hasso Plattner vor der Maske im neu renovierten Museum Barberini präsentiert.

In den Kunst-Akademien lernten die Künstler das Handwerk, bevor sie ihre Kunstwerke schufen. In der DDR war Kunst ein kollektives Erlebnis. Diese Vorgabe setzten viele Künstler in ihren Werken um. Der Künstlerverband der DDR gab die Richtung vor. Die Künstler konnten diese Vorgaben annehmen oder in andere Stilrichtungen fliehen, allerdings dann abseits der Öffentlichkeit. Diesen Weg wählte auch Werner Tübke. Er malte sich 1962 auf seiner Reise nach Zentralasien im altmeisterlichen Stil der Renaissance. Später wurde er mit dieser Stilrichtung zu einem privilegierten Künstler, der 1976 den Auftrag für das Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen erhielt.

Die Auswahl der 117 Bilder dokumentiert das breite Spektrum der Kunstwerke in neun Themenkreisen. In separaten Räumen werden Themen wie Formexperimente, Abstraktion und Autonomie sowie Malerbildnisse der Künstler, ihre Rolle und Glaubensfragen, behandelt. In der oberen Etage schließt sich eine Ausstellung mit monumentalen Bildern aus der Galerie des Palastes der Republik an. Seit über 20 Jahren sind diese, zum ersten Mal wieder zu sehen. „Dürfen Kommunisten träumen?“ ist das Motto, der bis zu 2,80 Meter hohen und 6 Meter breiten Bilder, die im Hauptfoyer des Palastes hangen. Bei diesen Gemälden handelt es sich um Repräsentationskunst im Stil des sozialistischen Realismus. Sie entsprechen allerdings nicht den Monumentalbildern, welche wir aus China und der Sowjetunion kennen. Dafür sind sie zu fein und sensibel. Dieser Teil der Ausstellung läuft noch bis 21.05.2018.

 

 

Ein Kunstobjekt, welches ebenfalls zur Ausstellung gehört, schreitet im Innenhof des Museums umher, „Der Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer. Blind marschiert ein Mensch ins Ungewisse mit der rechten Hand zum Hitlergruß und der Linken zur Rot-Front Faust geballt. Mir persönlich gefiel die Auswahl der Ausstellung. Neben bekannten Künstlerpersönlichkeiten hängen Künstler, die vielleicht nur Kenner der Szene vertraut sind. Faszinierend auch die Breite der Ausstellung. Arbeiter, inmitten der Brigade und Künstler, welche sich wie Erich Kissing mit ihren Malerfreunden im Kreise einer Muse an der Ostsee abbilden. Der politische Aspekt steht hier nicht im Vordergrund, sondern das Bild. Sehr gut sind die ausführlichen Bildbeschreibungen unter den Bildern, der Audioguide und auch die Barberini-App, welche man zu Hause weiterhin nutzen kann.

Im Interview mit der Süddeutsche Zeitung zum Thema DDR Künstler, sagte Hasso Plattner: „ … ich verstehe nicht, warum sie in den Museem auch heute nach vielen Jahren immer noch kaum vertreten sind.“ Und so genießt man in den hellen Räumen, die Kunst von deutschen Malern, die häufig in den bekannten zeitgenössischen Kunstmuseen Deutschlands zu kurz kommen oder nicht vertreten sind. Mit der Ausstellung in Potsdam steigert sich natürlich auch deren Marktwert. Ihre Schüler wie zum Beispiel Neo Rauch, Tim Eitel und Michael Triegel gehören längst zu den Größen der aktuellen Kunstszene. Ihre Bilder erzielen Preise weit über denen ihrer Lehrmeister.

Die aktuelle Ausstellung zur DDR Kunst, die nur noch bis zum 04.02.2018 läuft, ist der Auftakt einer Reihe zu dieser Thematik und dient ebenso der Forschung zu diesem Thema. Standartwerk könnte der Museumkatalog werden, sowie der erste Band der Barberini-Studie zur Erforschung der Gemälde im Palast der Republik. Eine der nächsten Ausstellungen vom 30.06. – 21.10.2018 ist Gerhard Richter gewidmet.

 

Museum Barberini

Alter Markt, Humboldtstr. 5-6, 14467 Potsdam

 

 

Weitere Infos:   www.museum-barberini.com/

Bildquellen:   Pressekatalog Museum Barberini

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