Endspurt – Hermann Hesse-Ausstellung in Apolda

Plakat Hesse 28.11.16.pdf_Gastbeitrag von Odettte

 

Herrmann Hesse „ … aber das Malen ist wunderschön!“

09. April – 02. Juli 2017 in Apolda

 

Hermann Hesse war neben Schriftsteller und Maler, auch ein passionierter Gärtner. Ob ihm die Berge auf der Landesgartenschau in Apolda gefehlten hätten, man weiß es nicht. Auf jeden Fall hätte er anregende Motive für seine Gemälde vor Ort gefunden. Noch bis zum 02. Juli 2017 zeigt das Kunsthaus in Apolda die Ausstellung Hermann Hesse „… aber das Malen ist wunderschön!“. Sie passt farblich und thematisch zur parallel stattfindenden Landesgartenschau. Bereits zum zweiten Mal präsentiert der Kunstverein Apolda Avantgarde, eine Ausstellung über diesen einzigartigen malenden Schriftsteller.

Diesmal handelt es sich um im Nachlass neu entdeckte Werke, die seine große Leidenschaft zur Natur wiederspiegeln. Er dokumentierte diese Leidenschaft in den farbenfrohen, leuchtenden Aquarellen. Sein jüngster Sohn Martin Hesse fotografierte ihn dabei. Wie bereits 2001 stellte das Kunsthaus Apolda die illustrierten Gedichtblätter seines Märchens „Piktors Verwandlung“ an den Anfang der aktuellen Ausstellung. Dieses Märchen mit kleinformatigen Aquarellen versehen, entstand 1922. Weihnachten 1942 widmete er es seinem Sohn Martin. Mit 40 Jahren, mitten im ersten Weltkrieg begann Hermann Hesse mit der Malerei. Seine illustrierten Handschriften eigener Gedichte, verkaufte er an Liebhaber. Mit dem Geld unterstützte er sein Engagement in der Kriegsgefangenenfürsorge. In den Inflationsjahren halfen die Zeichnungen ihm, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Immer noch präsent, erhält man das Buch Piktors Verwandlungen als schmales Taschenbuch, verlegt als insel taschenbuch. Es enthält die Abdrucke der Original Zeichnungen und des Textes. Der zweite Teil des Buches präsentiert die Abschrift des Textes ohne Grafiken und ausgewählte Gedichte, sowie ein interessantes erklärendes Nachwort. Das Märchen ist nicht nur ein Standardwerk der Flower Power Generation gewesen, sondern immer noch brandaktuell.

 

 

Seite 110-SW17 032b_41945_Hesse.tif in den RosenNach der Trennung von seiner ersten Frau und seinen Kindern, lässt sich Hermann Hesse im Tessin nieder. Hier findet er genug Stoff für seine Gemälde in expressiver Farbigkeit und Leuchtkraft. Und er wird zum Gärtner. Sein Sohn Martin, den er auch als Poet der Fotografie bezeichnet, dokumentiert sein Leben in den Bergen in dem Ort Montagnola. Hier frönt er seiner neuen Leidenschaft der Gärtnerei. Natürlich bezeichnet er sich, wie viele Gärtner “… als Sklave meines Gartens“, doch in den Gemälden sieht man nicht den Schweiß, sondern die Liebe zur Natur. Zu diesem Thema kann ich das ebenfalls im insel Verlag erschienene Buch Freude am Garten empfehlen. In vielen kleinen Kapiteln beschreibt er seine Gärtnerdasein und die Inspiration, die daraus entstanden ist. Die Zinnie wurde zu seiner Lieblingsblume. Populär das Foto, welches ihn mit Strohhut im Garten bei den Rosen zeigt. In den Jahren im Tessin entstand sein von der Natur inspirierter Roman „Narziß und Goldmund“. In diesem Roman malt er die Psyche von zwei verschiedenen Naturen mit Worten.

 

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© Gret Widmann

Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.

Quelle: Suhrkamp Verlag

 

Am 2.Juli 2017 endet die Ausstellung in Apolda mit einer Finissage. Dieser Abend ist dem Tessin kulturell und kulinarisch gewidmet. Start ist 19 Uhr, der Eintritt beträgt 16,50€ und um Voranmeldung wird gebeten.

 

 

Kunsthaus Apolda

Das Kunsthaus Apolda wurde am 07.Juni 1995 eröffnet. Die ersten Ausstellungen beinhalteten die Künstler Max Liebermann und Lovis Corinth. Seit 1995 besuchten über 350.000 Besucher die Ausstellungen. Der Charme des Museums liegt in seiner Gemütlichkeit verteilt über zwei Ausstellungsetagen. Die Ausstellungen sind sehr kompakt und man betritt bei seinem Besuch die Räume durchaus mehrmals. In den 15 Jahren des Bestehens fanden Ausstellungen über Max Ernst, Camille Claudel, Feininger, Max Klinger, um nur einige zu nennen, statt.

Der betreibende Kunstverein Apolda Avantgarde arbeitet eng mit den Kreis Weimarer Land und der Kreisstadt Apolda zusammen und wird von Sponsoren, Mäzenatentum und dem bürgerlichen Engagement unterstützt. Das Kunsthaus ist ein wichtiges Zentrum in der Thüringer Kultur und des Tourismus in der Region.

 

Weitere Infos:   http://www.kunsthausapolda.de/start.htm,   https://www.hermann-hesse.de/   http://www.suhrkamp.de/

Bildquellen:   Kunsthaus Apolda, http://www.suhrkamp.de/autorenfotos/300/1947_hesse_hermann.jpg

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