Eiskalte Abkühlung bei hochsommerlichen Temperaturen

Buch zur AusstellungGastbeitrag von Odette

 

Ausflugtipp in das Asisi 360° Panometer Leipzig

Ausstellung: TITANIC

 

Heute begibt sich Lesevergnügen mal auf Wegen abseits der Literatur. Obwohl das Thema Titanic sicher ausgiebig besprochen wurde, stehen Bücher diesmal nicht im Fokus. Jeder von uns kennt natürlich James Camerons Kino-Bestseller „Titanic“, verfilmt mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet. In Leipzig kann man sich nun fühlen als wäre man live dabei und gleichzeitig Zeitgeschichte erleben. Das aufwendig gestaltete 360° Panorama wird von einer sehr interessanten Ausstellung begleitet, von der ich euch gern erzählen möchte.

Draußen sind 30 Grad, im Inneren des Panoramas spürt man die Kälte des Eisberges.

 

Mit Eisen und Stahl beginnt die Ausstellung TITANIC im Yadegar Asisi 360° Panometer Leipzig. Stahl war der Ausgangspunkt für die neue Zeitrechnung und stand erst seit wenigen Jahren als Baustoff zur Verfügung. Durch die Erfindung des englischen Ingenieur Henry Bessinger in der Mitte des 19. Jahrhunderts, konnte er in großen Mengen produziert werden. Das erste Stahlwerk, welches mit dem Bessemer-Verfahren produzierte, war die Firma Krupp in Essen. Der Werkstoff Stahl sollte das Zusammenleben der Menschen in kürzester Zeit verändern.

So lebe denn wohl, Zeitalter des Eisens; gegrüßt seist Du, König Stahl!“

Andrew Carnegie – engl.-amerikanischer Stahlbaron

Als erstes fand der neue Baustoff Stahl Einsatz beim Bau von Brücken, wie der Williamsburg Bridge in New York. Eisenbahnstrecken konnten mit Hilfe dieser Brücken Hindernisse überwinden und auch der Verkehr in den Städten wurde über Stahlbrücken geleitet. Neben Brücken bauten die Eisenbahngesellschaften riesige Bahnhofshallen. In dieser Bauweise entstand die Paddington Station in London.

Bedingt durch die steigenden Immobilienpreise nutzte man den Stahl, um auf schmalen Grundstücken immer höhere Häuser zu bauen. Ein repräsentatives Beispiel für diesen Stil der Baukunst ist das Flatiron Building in New York. Die Städte wuchsen und wuchsen. Produktionsstätten wurden mit Glühbirnen erleuchtet und es konnte nun Tag und Nacht gearbeitet werden. Zeppeline überquerten Kontinente. Die Welt erschien den Menschen gigantisch ohne Grenzen.

Zeit und Raum sind gestern gestorben“

Filippo Tammaso Marinette – italienischer Schriftsteller

Mit den Zeppelinen erfüllten sich die Menschen den Traum, gemeinsam mit vielen Menschen den Himmel zu erobern. Schiffsreisen waren keine Besonderheit, doch nun zog der Luxus in die Schifffahrt ein. Schiffslinien verfolgten die unterschiedlichsten Strategien, um die Gunst ihrer potentiellen Fahrgäste zu gewinnen. Sie erweiterten das Streckennetz, verringerten die Taktung und bauten immer größere und schnellere Schiffe. Wert wurde auch auf das Erscheinungsbild gelegt. Für das Gesamtbild erschienen vier Schornsteine als vorteilhaft und so wurde die Titanic mit vier Schornsteinen gebaut, obwohl sie nur drei Schornsteine benötigte. Natürlich versprach man auch die Unsinkbarkeit der Schiffe.

Mit dem Bau der Titanic begann man am 16. Dezember 1908. Drei Millionen Nieten hielten den neuen Baustoff Stahl zusammen. Das Nieten war eine zur damaligen Zeit angewandte Technik, welche durch die Erfindung des Schweißens abgelöst wurde. Einige Verbindungen auf der Titanic schweißte man schon. Am 10. April 1912 begab sich die Titanic auf die Jungfernfahrt. Der 62-jährige Kapitän Edward John Smith überführte das Schiff nach Southampton. Er sagte:

Ich sage, dass ich mir keinen Umstand vorstellen kann, der ein solches Schiff zum Sinken bringen könnte. Ich kann mir kein ernsthaftes Unglück ausdenken, das diesem Schiff zustoßen könnte. Der moderne Schiffbau hat diese Möglichkeiten überwunden.“

… und dann passierte das Unglück. Vier Tage nach dem Auslaufen und dem ersten Starten der Maschinen, rauschte das Schiff an den Eisberg und eine stärkere Kraft zerstörte Eisen und Stahl. Am 14. April 1912 um 23:40 Uhr platzen auf rund 75 Metern mehrere Nietenreihen unterhalb der Wasserlinie auf.

In der Ausstellung beeindruckte mich folgendes Zitat eines überlebenden Passagiers:

… es wurde mir gesagt, dass die Titanic auf einen Eisberg gefahren ist, es sei aber keine Gefahr vorhanden, ich sollte mich beruhigen und in die Kabine zurückgehen. Dies wurde mir von mehreren gesagt und auch betont: „Die Titanic kann gar nicht sinken.“

Anton Kink – Passagier der dritten Klasse

War das jüngste Juwel der Ingenieurskunst gescheitert? Nein, da nach Ermittlungen menschliches Versagen, wie zu hohe Geschwindigkeit, fehlende Rettungsboote und abgeschalteter Funk zu diesem Duell Technik gegen Natur führten.

Im angrenzenden Raum betritt man das Schiffsgrab. Es zeigt nicht das Ende der Moderne, sondern ein Versprechen der Moderne. Wie schon in den anderen Panoramen sind es die vielen kleinen Details, die man für sich entdecken kann. Zu meinen Highlights zählen die Gratinschalen, welche auf dem Meeresboden feinsäuberlich in Reih und Glied liegen. Diese Schalen befanden sich in dem Schrank auf dem D-Deck, dessen Holz verfaulte und sich auflöste. Ebenso die Ledertasche, anders wie Holz, ist Gerbsäure widerstandsfähiger und blieb erhalten. Damit schützte sie sogar den Inhalt vor dem Verfall. Dass Glas in dieser 3.800 Meter tiefen Umgebung am resistentesten ist, scheint einleuchtend und so findet man die unterschiedlichsten Flaschen, welche sich nach ihren Formen gut zuordnen lassen. In der Ausstellung existieren keine originalen Exponate, da deren Erwerbung in astronomische Höhe getrieben wird.

 

 

Über dem Wrack der Titanic schweben französische Dreimanntauchboote, die während der fünf Titanic-Expeditionen von 1987-1998 eingesetzt wurden. Die gespenstische Szenerie wird von den Medusen, einer großen Anzahl von Lichtrobotern, erzeugt. Dabei handelt es sich um einen Kunstgriff, denn diese Art der Beleuchtung ist real nicht möglich. Am Ende des Rundganges kann man in Videos die Entstehungsgeschichte dieses und anderer Panoramen verfolgen. In einem Gespräch mit Yadegar Asisi erfährt man seinen Beweggrund für das Thema TITANIC.

… ich will die beiden Kräfte der Schöpfung zusammenbringen: uns, die Menschen, als kleine Schöpfer und den großen Schöpfungsakt der Natur.“

 

Fazit: Diese geschlossene Präsentation des Themas Moderne hat mich fasziniert und überzeugt. Das Panometer allein hätte ohne die Idee der Moderne wohl nicht funktioniert. Das Panorama besitzt eine enorme Tiefe, durch die Entfernung der beiden Frackteile. Da es keinen Nacht-Tag Zyklus in der Tiefsee gibt, wird die Stimmung mit leiser harmonischer Musik begleitet. Darüber hinaus wird die Ausstellung noch in einem Buch, welches im angeschlossenen Panometer-Shop erhältlich ist, ausführlich begleitet.

Als weiteren Ausflugtipp kann ich euch das Asisi-Panorama “ Luther 1517″ in der Lutherstadt Wittenberg empfehlen. Warum sich ein Besuch des Panometers und der Stadt Wittenberg lohnt, lest ihr in diesem Beitrag. 😉

 

Weitere Infos:   http://www.panometer.de/leipzig/unsere-ausstellungen/

Bildquellen:   Odette Nathke

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