Ein Besuch der GRIMMWELT Kassel

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© GRIMMWELT Kassel, Foto: Andreas Berthel

Gastbeitrag von Odette

Advent, Advent ein Lichtlein brennt…

 

Weihnachtszeit ist Märchenzeit, die passende Gelegenheit die GRIMMWELT in Kassel zu besuchen. Das 2015 erbaute Museum befindet sich nicht in einem Hexenhaus tief im deutschen Märchenwald, sondern tront futuristisch auf dem Kasseler Weinberg über der Stadt. Die Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm wurden 1785 und 1786 in Hanau geboren und zur schulischen Ausbildung nach Kassel geschickt. Hier verbrachten Beide die längste Zeit ihres Lebens.

Wer kennt sie nicht die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm? Gerade in der Weihnachtszeit mit Kerzenlicht entführen sie uns in eine Fantasiewelt, deren happy end erkämpft werden muss. Sie belehren uns und geben Lösungen fürs zukünftige Leben.

Parallel mit dem Sammeln, Verfassen und Herausgeben von Märchen nahmen die Gebrüder Grimm ein gigantisches Großprojekt in ihre Hände, die Erstellung des „Deutschen Wörterbuches“. In dieser Vielfalt sind die Ausstellungen des Hauses ein spannendes Erlebnis für Jung und Alt als auch Kunst- und Sprachinteressierte. Die Märchen wurden in viele Sprachen übersetzt, so trifft man ein sehr internationales Besucherpublikum vor. In zahlreichen internationalen Reiseführern, wie zum Beispiel „The Guardian“ wird es zum „the best new museum“ gekürt. Der Conde Nast Traveler erwähnt die GRIMMWELT als eines der „10 biggest Museum openings of the year“ 2015.

 

 

Nicht nur die Architektur ist atemberaubend, auch die Präsentation der Ausstellungen. Am Anfang schlängelt man sich wie in einer Waschstraße durch einen grünen Märchenwald bestehend aus Baumwalzen. Über Lautsprecher lauscht man im volkstümlichen Erzählton den Märchen. Kinder verstecken sich im Märchenwald und erschrecken die staunenden Erwachsenen, die noch etwas skeptisch manchen Ausstellungsformaten gegenüber stehen. Schnell nehmen die kleinen Besucher die Mitmachexponate wie zum Beispiel den sprechenden Spiegel in Beschlag, schauen in Holzhäuser und rufen laut die entdeckten Märchennamen aus. Ein Froschkönig hüpft als Laserprojekt über den Boden, die Schimpfwortmaschine erfindet die drolligsten Schimpfwörter und der sprechende Spiegel fragt: „Wer ist die Schönste im Land?“. Die Erwachsenen konzentrieren sich auf die Galerie mit vielen Originalfotos, Briefen und Texten der Gebrüder Grimm aus ihrem facettenreichen gesellschaftlichen und politischen Leben.

 

04 GRIMMWELT Kassel Blick in die Dauerpräsentation

© GRIMMWELT Kassel, Foto: Nikolaus Frank

Die Märchenwelt wird von der Wörterwelt optisch durch eine Installation von Ai Weiwei „Colored Roots“ 2009-2015 getrennt. Fünf Baumwurzeln in bunten Lackfarben liegen auf dem Boden. Die Grimms nannten ihre Arbeit auch Wurzelforschung und so passt dieses Kunstwerk inhaltlich ganz perfekt in den Ausstellungsübergang. Mit Wurzelforschung ist die Suche nach der Herkunft und Verwandtschaft der Wörter gemeint. Mit dem „Deutschen Wörterbuch“ verfolgen die Grimms das Ziel, die Wurzeln der germanischen Sprache und Sprachkultur zu erforschen. In 32 Bänden befinden sich 320.000 Einträge. Die Präsentation ist aufgeteilt in 25 Bereiche, sie sind nach Begriffen aus dem „Deutschen Wörterbuch“ benannt. Beginnend mit „Ärschlein“ läuft man durch die Wörterbucheinträge. Die Gebrüder Grimm schafften es bis zum Buchstaben F. Das letzte erforschte Wort von ihnen war „Froteufel“. Ich war erstaunt, was die Gebrüder hier geschaffen haben. Sie waren bedeutende Sprachforscher und gelten als Mitbegründer der Germanistik. Ihr gigantisches Werk, mit dem sie 1838 starteten, konnte erst 1926 beendet werden. Dafür war ein großes Netz von Zulieferern nötig, mit dem sie im permanenten schriftlichen Kontakt standen. Auch dieses Networking wird in der Ausstellung präsentiert. Noch heute lebt und entwickelt es sich und schaffte, trotz der Digitalisierung, die Nutzung in die heutige Zeit.

Erforschen macht hungrig und durstig. Mit einem wunderschönen Ausblick durch die große Glasfassade auf die Karlsaue und die Fulda, lädt die Gastronomie Fallada zum Verweilen ein und beschließt den Besuch in diesem märchenhaften Museum.

 

Und hier einige Details für einen Besuch.

GRIMMWELT Kassel gGmbH

Weinbergstraße 21, 34117 Kassel

Öffnungszeiten: Di bis So 10 -18 Uhr, Fr 10 – 20 Uhr, Montag geschlossen

 

Weitere Infos:   www.grimmwelt.de 

Bildquellen: © GRIMMWELT Kassel – Andreas Weber, Nikolaus Frank

 

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