LitBlog Convention 2017

LitBlog 2017 - Impressionen (1)Und wieder ein Erlebnis – die LBC am 10. Juni in Köln

 

Als ich diese Woche ein Buch aufschlug, zauberte es mir sofort ein Lächeln ins Gesicht. Zwei Lesezeichen, in bester Laune im LitBlog Foto-Bulli aufgenommen, hielten die schönen Momente dieses Tages fest. In Gedanken und jetzt auch auf Papier – eine wunderbare Idee. Und schon kamen meine Erinnerungen an diesen interessanten Bloggertag mit zahlreichen Workshops, vielen Gesprächen, neuen Kontakten und viel Spaß, in Gang.

Die Veranstalter Bastei Lübbe, DuMont Kalender Verlag, Kiepenheuer & Witsch, Community Editions und Diogenes stellten ein wunderbares Potpourri rund ums Buch zusammen. Wie im letzten Jahr standen mehr als zwanzig Workshops auf dem Programm. Die Kunst war es nun, sich stündlich für eines der fünf parallel stattfindenden Themen zu entscheiden. Da wir zu zweit waren, konnten wir die Workshops gemeinsam als auch getrennt besuchen und somit ein großes Spektrum erleben. Und dies belief sich von Social Media, youtube & Instagram bis hin zur Buchherstellung, Gespräche mit Lektoren und Autoren. Unsere Highlights habe ich nun für euch zusammengefasst.

 

 

 

Lektorentalk

Wir starteten zunächst gemeinsam beim Schweizer Verlag Diogenes, der nach dem gelungenen LitBlog-Debüt in 2016 nun auch zu den Veranstaltern zählt. Margaux de Weck, Lektorin von Tomi Ungerer, verzauberte uns mit ihrer Begeisterung für diesen großen Autor und brachte uns sein Lebenswerk nahe. Obwohl der inzwischen 85-jährige Elsässer nicht anwesend war, spürten wir seine Energie, mit der er damals wie heute Jung und Alt begeistert. Die Texte und Zeichnungen sind vielen bekannt und besonderen Erfolg hatte er mit seinen Kinderbüchern.

Die Begeisterung für Autoren nahm nicht ab, denn es folgte die Lektorin von John Irving. Auch hier tat die Abwesenheit des Autors der Spannung keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Lektorin Anna von Planta hat sich ihren Lebenstraum erfüllt. Sie wollte nur wegen John Irving Lektorin werden, dass sie ihn nun seit mehr als 30 Jahren begleiten darf, hält Anna von Planta für einen glücklichen Zufall. Doch der Aufbau eines Bestsellerautors verlangt Ausdauer und einen langen Atem. John Irving hat erst mit seinem siebten Roman den Durchbruch geschafft. Seitdem kann er sich einer treuen Fangemeinde erfreuen, die sehnsüchtig auf seine Romane wartet. Kurios auch die Geschichte wie Irving zu Diogenes kam, denn der damals noch selbst unbekannte Ian McEwan empfahl Irving dem Verleger Daniel Keel. Von da an war der Diogenes-Verleger Feuer und Flamme und sicherte sich alle Rechte des bis dahin noch unbekannten amerikanischen Autors. Nach einem holprigen Start bei Rowohlt landet Irving schließlich bei Diogenes und mit seinem Roman Gottes Werk und Teufels Beitrag gelingt endlich der Durchbruch. Irvings Stil ist speziell. So beginnt jeder Roman immer mit dem letzten Satz des vorhergehenden Buches. Er schreibt umfangreiche Sätze, die sich aber leicht und einfühlsam lesen lassen. Seine außergewöhnlichen Charaktere und Handlungsorte, welcher er selbst bereist und recherchiert, sind legendär. Lektorin Anna von Planta hat Irvings Sound der Übersetzung getroffen und wird ihn sicher noch lange begleiten.

PS: Hier auf dem Blog findet ihr die Rezension zu Straße der Wunder.

 

 

 

Blackbox Buchherstellung

Kiwi-Buchherstellung6Der nächste Workshop zeigte uns ungewöhnliche Einblicke in die Buchherstellung. Jeder Leser erfreut sich über die schöne Gestaltung eines Buches. Doch das dahinter, jede Menge Arbeit steckt und zahlreiche Entscheidungen zu treffen sind, vermittelte uns Hanne Mandik von Kiepenheuer & Witsch. Gleich zu Beginn lernten wir, dass hier die Uhren im wahrsten Sinne des Wortes rückwärts laufen. Ausgehend vom geplanten Erscheinungstermin des Buches ist es keine Seltenheit, dass das fertige Manuskript dem Verlag bereits ein halbes Jahr vorliegt. Dies ist zwar „Folter“ für den Autor, denn nun beginnt das Warten auf die Veröffentlichung, aber eine wichtige Zeit für die Buchproduktion. Nun wird über Papier, Schriftart, Gestaltung des Umschlages und vieles mehr entschieden. Gedruckt wird i.d.R. in Deutschland und in kleinen Auflagen, da ein Nachdruck innerhalb von zwei Wochen möglich ist. Und so kamen Begriffe wie Vorsatzpapier, Prägung, Kopfband, Lesebändchen und auch „Hurenkind“ zum Einsatz. Letzteres stört die Optik als auch den Lesefluss, da es sich hier um die letzte Zeile eines Absatzes handelt die zugleich die erste Zeile der nächsten Seite ist. Am Beispiel der besonderen Ausstattung von Die geheime Geschichte von Twin Peaks zeigte uns Hanne Mandik die vielfältigen Entscheidungsprozesse der Buchgestaltung über Layout, Wahl der Schriftart sowie des Papiers, der Bindung und des Umschlages.

Zum Abschluss standen wir Blogger noch vor einer Gewissensentscheidung. Für eine neu aufgelegte Klassiker-Reihe, gestaltet von der Berliner Illustratorin Kat Menschik, sollten wir nun die Gestaltung des Layouts – inbesondere die Farben des Covers, des Vorsatzpapiers als auch des Kopfbandes – festlegen. Nicht einfach, aber sehr spannend!

 

 

 

Das Debüt

Das Debüt - Bloggerpreis 2016 (2)Unter Literaturbloggern mittlerweile sehr begehrt ist die Auslobung von Buchpreisen. Nachdem die Bloggerpaten der Leipziger Buchmesse 2015 leider nicht mehr fortgeführt wurden, gab es inzwischen zahlreiche Projekte wie die Buchpreisblogger als auch den Blogbuster. Das Debüt ist ein weiteres Projekt, welches von Bozena A. Badura auf der LitBlog erstmalig vorgestellt wurde. Die erste Preisträgerin und somit doppelte Debütantin Shida Bazyar stellte ihren Roman Nachts ist es leise in Teheran vor. Die in Deutschland geborene Autorin mit iranischen Wurzeln lebt in Berlin. In der Zeit ihres fünfjährigen Masterstudiums für Literatur an der Schreibschule Hildesheim schrieb sie ihren ersten Roman. Dieser trägt zum Teil autobiografische Züge, befasst sich mit einer Familiengeschichte und den Problemen der Migration. In der heutigen Literatur wird zunehmend die Migration, oftmals ein „Leben zwischen den Stühlen“ wie auch im Roman „Ellbogen“, thematisiert.

Mit ihrem ersten Roman hat sich das Leben von Shida Bazyar sehr verändert. Sie steht mehr in der Öffentlichkeit, hat zahlreiche Termine und Lesungen, kommt kaum noch zum Schreiben. Nebenher arbeitet sie als Bildungsreferentin für Integration in Potsdam. Abschließend las Shida Bazyar aus ihrem Roman und weckte mein Interesse für dieses Buch und die Rezension folgt in Kürze.

 

 

Around the world in 100 bookshops

Die absolute Begeisterung bei den Teilnehmern löste schließlich Torsten Woywod aus, so dass er seinen Workshop gleich zweimal durchführte. Bereits im letzten Jahr berichtete ich euch im Beitrag Torsten Woywod – In 60 Buchhandlungen durch Europa über sein einzigartiges Bookshop-Projekt, welches schließlich in einem Buch mündete. Allein mit seiner unbändigen Leidenschaft für Bücher und einem Interrail-Ticket in der Tasche, erfüllte er sich einen Traum. Er besuchte mehr als 60 Buchhandlungen in Europa und weitere folgten weltweit.

Torsten Woywod berichtete mit seiner ansteckenden Euphorie über die von ihm besuchten Bookshops sowie deren Inhaber, begeisterte uns mit seinen Fotos und Anekdoten. Die außergewöhnlichsten Buchhandlungen sind jetzt auf dem Jahreskalender Around the world in 100 bookshops 2018 festgehalten, welcher für alle Buchliebhaber ein wunderbarer Wegbegeleiter durch das kommende Jahr ist.

 

 

Diesen interessanten Bloggertag auf der diesjährigen LitBlog Convention ließen wir in gemütlicher Runde mit anregenden Gesprächen ausklingen. Das Köln immer wieder eine Reise wert ist, könnt ihr zusätzlich unseren Impressionen entnehmen. Diesmal stand ein abendlicher Sommerspaziergang am Rheinufer, ein Frühstück im schönen Café jakubowski, der Besuch des Botanischen Gartens Flora mit Picknick im Dank Augusta auf dem Programm.

 

 

Wir freuen uns jetzt schon auf die Fortsetzung der LitBlog Convention im nächsten Jahr und bedanken uns bei den Verlagsteams für die professionelle Organisation.

 

Darüber hinaus empfehle ich euch weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

http://tommiunddieschmoeker.de/die-litblogconvention-2017/

https://leckerekekse.de/wordpress/litblogconvention2017/

 

 

Weitere Infos:   https://litblog-convention.de/,   http://www.diogenes.ch/leser.html,   https://www.luebbe.de/, https://www.dumontkalender.de/,   http://www.kiwi-verlag.de/,   https://www.community-editions.de/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,    LitBlog 2017 – Collage @Blog Leckere Kekse

2 thoughts on “LitBlog Convention 2017

  1. Hallo Jacqueline,
    schön, dass du hier deine Erinnerungen an die LBC mit uns teilst. Wir saßen ja in vielen Workshops zusammen 🙂 Ein rundum gelungener Tag, ich freue mich auf das nächste Jahr und ein Wiedersehen.
    Viele Grüße nach Berlin
    Thomas

    • Lieber Thomas,
      es war wirklich wieder ein erlebnisreicher Tag mit vielen interessanten Themen und einem Blick hinter die Kulissen. Ich freue mich, dass wir uns kennengelernt haben und uns weiterhin austauschen werden. 🙂 Deinen LBC-Rückblick werde ich ebenfalls gern verlinken.
      Lieben Dank und bis bald,
      Jacqueline

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