LitBlog Convention 2016

Logo LBCGelungenes Format einer neuen Verlags-Blogger-Kommunikation

 

Am Samstag, 04. Juni 2016 fand in Köln die erste LitBlog Convention statt. Der Auftakt für das neue Format erfolgte bereits im Frühjahr diesen Jahres. Beim read & meet auf der Leipziger Buchmesse wurde das geplante Programm vorgestellt. Das Konzept ging auf, binnen Stunden war das Event ausgebucht. Wirklich neu ist es nicht, doch verlagsübergreifende Veranstaltungen dieser Art gab es bisher nicht. Einige Verlage laden regelmäßig zu Bloggertreffen im kleinen Rahmen ein, da die Kapazitäten für große Veranstaltungen oft nicht gegeben sind.

Die Wahl der Location erklärt sich aus der Liste der Initiatoren, da Bastei-Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Buchverlage, DuMont Kalenderverlag und Egmont LYX in Köln ansässig sind. Erstgenannter war der Veranstalter und ermöglichte rund 150 Bloggern, in seinen Räumlichkeiten in die Kölner Schanzenstraße, Verlagsluft zu schnuppern. Eine sehr gute Idee, um die Arbeitsweise der Verlage zu vermitteln als auch die Kommunikation mit den Bloggern zu forcieren.

 

 

LitBlog Convention 2016 (5)Das Programm

Die unterschiedlichen Programmausrichtungen der Verlage spiegelten sich ebenso in der Vielfalt der Seminarthemen wieder. Da sich Lit-Blogger in verschiedenen Genres bewegen und dort ihre Zielgruppe bedienen, passte dies perfekt. So konnte sich jeder Blogger sein blogafines Programm zusammenstellen, aber auch gern mal über den Tellerrand schauen. Die originell gewählten Seminartitel wie „Wer radiert verliert“, „Ein Nerd und eine Chaos-WG“ oder „Knopfkino – eine Reise in Bildern“ erregten Interesse und bauten Spannung auf. So wählte ich die vielversprechenden Seminare „Wonach riecht Murakami?“ (DuMont Buchverlage) und „Mit anderen Worten“ (Kiepenheuer & Witsch). Beide Seminare beschäftigten sich mit dem Thema Literaturübersetzungen. Ursula Gräfe, langjährige Übersetzerin des japanischen Autors Haruki Murakami, und Lektorin Annette Weber starteten mit einem unterhaltsamen Video-Diskurs des Literarischen Quartetts aus dem Jahre 1999. Damals wurde heftig über die erste deutsche Übersetzung des Romans „Gefährliche Geliebte“ gestritten, wobei Sigrid Löffler zu der Bewertung kam, es sei „literarisches Fastfood“. Diese Szene zeigte deutlich, welche Bedeutung die Übersetzung einnimmt und wie diese auch über den Erfolg eines Autors entscheiden kann.

 

 

Übersetzerin, Bloggerin und jetzt selbst Bestseller-Autorin Isabel Bogdan („Der Pfau“ – sehr unterhaltsam, meine Rezension folgt in Kürze) plauderte mit Lektorin Helga Frese-Resch auf der Bastei-Lübbe-Dachterrasse. So erfuhren wir, dass an die Tätigkeit des Übersetzers zwar keine beruflichen Bedingungen oder ein Studium geknüpft, aber natürlich fremdsprachliches Talent und ein besonderes Gespür für Sprache an sich, zwingend nötig sind. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass man das Buch mögen muss, um eine gute Übersetzung zu schreiben. Die Arbeitsweise der Übersetzer ist so verschieden wie die Schriftsteller selbst. Von einmal komplett lesen, um die Energie des Buches zu spüren, über sofort ab Romananfang zu übersetzen bis hin erst in der Mitte des Buches zu beginnen, ist alles erlaubt. Entscheidend ist das Ergebnis und natürlich der Abgabetermin wie die Lektorin einwarf.

 

Und was macht eine gute Übersetzung aus?

Kurz gesagt: ein guter deutscher Text, bei dem das handwerkliche Können, die Dramatik und der Sound stimmt. Trotz alledem flüssig und unserem Leserhythmus angepasst, ohne es unnötig „einzudeutschen“. Die Sprache sollte so nah wie möglich am Original sein, um die Emotionen des Autors auch transportieren zu können. Wichtig ist, die Besonderheit der ursprünglichen Sprache herauszuarbeiten, nicht Fremdheit vermeiden, sondern die Stimme und Sprache des Autors erhalten. Eine Übersetzung ist immer eine Interpretation, eine Veränderung von Textinhalten und somit eine Meinungsbildung. Demzufolge hat der Übersetzer die Aufgabe, so nah wie möglich am Original zu bleiben, um die vom Autor beabsichtigte Atmosphäre zu vermitteln. Der Leser soll somit den Charakter des Autors spüren können, um seine eigenen Erfahrungen zu machen und sich tiefer mit dem Gelesenen zu beschäftigen.

Beide Übersetzerinnen merkten jedoch an, dass die Wertschätzung ihrer Arbeit oft zu kurz kommt und eine Erwähnung bei der Rezension wünschenswert wäre. Eine Kritik, die ich nachvollziehen kann und in Zukunft versuchen werde, zu berücksichtigen.

 

 

Den Autoren ganz nah

Auch die Premieren-Lesung des jungen Berliner Autors Jan Brandt, im Skater-Style mit Basecap, konnten wir im kleinen Kreis erleben. Er las aus seinem im September erscheinenden Buch „Stadt ohne Engel“ (DuMont Buchverlage), in dem er seinen Stipendiatsaufenthalt in Los Angeles auf journalistische Art verarbeitete. Brandts Philosophie ist einfach „sich in die Stadt reinwerfen und warten was passiert, aber auch Begegnungen herstellen“. Im Rahmen der Recherche für seinen geplanten Amerika-Roman, entstanden somit zunächst lesenswerte Kurzgeschichten, die er Polizeimeldungen entnahm und zum Teil selbst erlebte. Bei diesem gelungenen Debüt können wir uns schon jetzt auf einen interessanten Roman freuen.

Unter der Frage „Gibt es ein Rezept für Bestseller?“ bot sich die Möglichkeit, einen Blick hinter die geistigen Kulissen des Erfolgsautors Frank Schätzing (Kiepenheuer & Witsch) zu werfen. Im Gespräch mit KiWi-Verleger Helge Malchow erzählte er, wie er zu seinen Romanideen („Limit“/„Der Schwarm“/„Breaking News“) kommt und welch umfangreiche Recherche seine Themen benötigen. Auch mit seiner teils chaotischen Arbeitsweise hielt er nicht hinter dem Berg. Also, eine echte Herausforderung für Lektorat, Verleger und Schriftsteller, die aber offensichtlich seit Jahren miteinander harmonierten. Abschließend verriet Schätzing den Bloggern, dass er bereits drei neue Themen in der Pipeline hat. Für welches er sich entscheiden wird, ließ er offen – es bleibt also genügend Raum für Spekulationen.

 

 

LitBlog Convention 2016 (32)Netzwerken ist angesagt

Neben dem interessanten Programm stand natürlich der Austausch zwischen Bloggern und Verlagsmitarbeitern im Focus. Hierzu bot sich während den Seminaren als auch in den Pausen ausreichend Zeit. Nicht zu vergessen die abendliche Party, welche viel Raum für ausführliche Gespräche und Diskussionen gab. Für mich ist die LitBlog Convention ein gelungenes Debüt, welches unbedingt jährlich fortgesetzt werden sollte. Das Programm war so interessant und umfangreich, dass ich nicht alles schaffen konnte. Meine Wunschliste für die nächste LitBlog steht also schon!

 

 

Last but not least – mein herzliches Dankeschön für diesen wunderbaren Tag gilt den Organisatoren sowie den vielen lieben Verlagsmenschen und Bloggerkollegen. Look forward! 🙂

 

Weitere Infos:   http://www.dumont-buchverlag.de,   http://www.kiwi-verlag.de,   https://www.luebbe.de,   https://www.dumontkalender.de/,   http://www.egmont-lyx.de,   http://www.harukimurakami.com,

Bildquellen:   LBC – Logo.jpg,   http://litblog-convention.de/wp-content/uploads/2016/03/Postkarte-06.jpg,   Jacqueline Böttger – diverse

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